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Vollständige Version anzeigen : A Dark Elven Tale 1


Spiritwalker
31.01.2005, 00:19
bevor sich jemand fragt, warum der thread titel auf englisch is: ich find "Eine Dunkelelfengeschichte" klingt dämlich ;) werd mir noch nen passenden Titel einfallen lassen.

nachdem Morthad mich darauf hingewiesen hat, dass meine storyline in "Die Apokalypse" irgendwie falsch war ( ich habs verrafft, geb ich zu ;) ), werd ich das ma innen eigenen thread packen.

das is das erste mal, dass ich ne geschichte veröffentliche, also bitte ich um nachsicht *g*

ich weis, dass ein paar stellen recht ungeschliffen sind ( wie gesagt, erstes mal ), und bitte daher um konstruktive kritik.

kurz noch was zu mir:

ich studier grad weinbetriebswirtschaft in heilbronn und bin grad inner klausurzeit, deswegen kanns evtl etwas mit der fortsetzung dauern ;) , bin 25 jahre alt und les seit... 15 jahren oder so, hauptsächlich SciFi und Fantasy, und da eher die "Dark-" varianten. ich spiel ungefähr genausolange P&P rollenspiele, daher nich wundern, wenn einem irgendwelche sachen bekannt vorkommen ;)

und nun: silence, der vorhang hebt sich *gg*

EDIT1: ich hab mich mal drangemacht, und weitergetextet.

dazu hab ich jeden neuen absatz nummeriert, falls jemand an irgendwas kritisieren will, kann er sichs dadurch einfacher machen.

eigentlich wollt ich für jedes update nen neuen post machen, aber das würd die sache zu sehr aussm zusammenhang reissen, also mach ichs so ;)

irgendwas gefällt mir am 3. abschnitt nich... ich mein nich die beschreibung der kämpfe, obwohl die auch besser sein könnte. meiner meinung nach fehlt irgendwas... comments?

ich hoff ma, ich hab die anregungen von Mordath und BigT umgesetzt, wenn nich, einfach bescheid schrein, es kann nur besser werden (oder schlimmer, je nach dem ;) )

mal sehn, wann ich weitermach, evtl heut noch, oder auch nich *g*

P.S.: ich wär echt dankbar, wenn mir ma jemand sagt, wie ich hier irgendwas kursiv bekomm ;)

EDIT2: ok, hab mal abschnitt 4 gemacht ( unter zuhilfenahme von ein paar Bit und musik von CoF ;) ). is mir, würd ich meinen, einigermaßen gelungen, auch von der atmosphäre her. mal sehen, wann ich weitermach. logischerweise wart ich auf kommentare, konstruktive kritik, danksagungen, lob, geldspenden und so weiter ;)

hab nochn bischen kleinkram geändert ( thx BlueFire ;) ), formulierung und rechtschreibung

Spiritwalker
31.01.2005, 00:20
Die Tae'Lon Chroniken
Teil 1: Lyandra
1.

Es war Nacht. In der kleinen Stadt war alles still. Die Wachen gingen ihre Streife, aber wie so oft geschah nichts. Zumindest nichts, was ihre Aufmerksamkeit erregte...

Der dunkel gekleidete Kämpfer zog eine schwere Klinge aus der Kehle seines Opfers. Die letzten Herzschläge des Toten bespritzen das Zimmer mit warmem Blut. Der Kämpfer warf einen letzten, abfälligen Blick auf den Leichnam und wischte das Blut von der Klinge.

"Törichtes Wesen... hast Du wirklich geglaubt, Du könntest uns bestehlen, und damit davonkommen?" murmelte der Kämpfer mit rauher Stimme. Er seufzte. "Nun gut... der Rache ist genüge getan, und die Dunklen Götter sind zufriedengestellt. Wer wohl als nächstes den Kuss meiner Klinge empfangen wird?"

Wie ein Schatten verließ der Kämpfer das Haus, verschwand aus der Stadt und machte sich auf den langen Heimweg. Alles, was von ihm blieb, waren die Schreie, als die Leiche am nächsten Morgen gefunden wurde...

2.

Der Morgen dämmerte langsam, als der Kämpfer den Waldrand erreichte. Er war froh darüber, denn er konnte das Licht des Tages nicht leiden.

In der Nähe eines kleinen Teiches beschloss er, zu rasten. Er legte seine Rüstung ab und begann, sich im kalten Wasser des Teiches zu waschen. Als er sein Bad beendet hatte, zog sich ein roter Schleier durch das zuvor kristallklare Wasser des Teiches. Er ließ sich nieder, und begutachtete seine Waffen und seine Rüstung. Abgesehen von einigen, mittlerweile eingetrockneten, Blutspritzern war die Rüstung in tadellosem Zustand. Das schwere, schwarze Leder war mit Metallschuppen beschlagen, deren Farbe an Öl erinnerte. Er erkannte einige Kratzer, konnte sich aber nicht mehr daran erinnern, woher sie kamen. Zu viele Kämpfe lagen bereits hinter ihm...

Als nächstes untersuchte er seine Waffen. Zwei fast unterarmlange Dolche, die in Stiefelscheiden steckten. Drei kurze Messer, ausbalanciert und scharf. Eine Faustklinge mit drei Klingen. Und letztendlich seine Kampfklinge, ein Meisterwerk der Schmiedekunst seines Volkes.

Versonnen betrachtete er sein "Handwerkszeug". Die Klinge war anderthalbmal so lang wie sein Unterarm. Sie ähnelte einem Schwert der Menschen, doch war sie offensichtlich nicht zum Fechten gedacht. Das erkannte man daran, dass die Klinge vor Widerhaken und Reißzähnen starrte. Nein, es war keine Klinge für den ehrenhaften Kampf. Sie war dazu gedacht, den Gegner möglichst schnell zu zerfetzen und zu töten, und wenn dies nicht gelingen sollte, ihm grausame Wunden beizubringen.

Der Kämpfer holte einen Wetzstein hervor, und machte sich daran, eine kleine Scharte auszuglätten. Er spuckte auf den Wetzstein und fuhr dann mit dem Finger über die Klinge. Er vermischte zwei Tropfen seines Blutes mit seinem Speichel und begann dann, mit geradezu rituellen Bewegungen die Klinge zu glätten.

Als er sein Werk beendet hatte, stand er auf und fing damit an, einige Bewegungsabläufe durchzuführen. Ein zufälliger Beobachter hätte im frühen Licht der Morgensonne erkennen können, dass sein ganzer Körper mit Narben bedeckt war. Auch sie zeugten von vielen bereits geschlagenen Schlachten.

Eine Stunde war vergangen. Der Kämpfer hatte seine Übungen beendet. Er legte seine Rüstung wieder an, verstaute seine Waffen an den Stellen, an denen er sie leicht erreichen konnte und ließ sich am Ufer des Teiches nieder. Er wollte gerade einen Schluck Wasser trinken, als er hinter sich etwas knacken hörte.

3.

Er spürte den Schlag, noch bevor er das Pfeifen der Waffe hörte. Innerhalb eines halben Herzschlags warf er sich zur Seite, zog seine Klinge und hieb blind nach dem unbekannten Angreifer. Die Klinge stockte kurz, und er wusste, dass er seinen Gegner getroffen hatte, noch bevor er den Schmerzensschrei hörte. Voller Befriedigung sah er aus dem Augenwinkel, wie eine schwere, plumpe Axt zu Boden fiel, die Hände des Besitzer noch um den Griff geklammert.

Er rollte sich ab und ging automatisch in die Kampfhaltung, die ihm vor langer Zeit beigebracht wurde. Als er sich kurz umsah, erkannte er seine Angreifer. Sie waren zu viert, ungeschlachte Männer in derben, verlotterten Leinen, bewaffnet mit einfachen Äxten und Knüppeln, einer von ihnen, vermutlich der Anführer, trug ein einfaches, altes Schwert. In ihren Gesichtern konnte man die Verwunderung darüber erkennen, dass ihre vermeintlich leichte Beute bereits einen von ihnen ausgeschaltet hatte. Dennoch positionierten sie sich um ihn, und es war klar, dass sie eine eingespielte Truppe waren.

„Dies wird ein amüsanter Zeitvertreib...“ ging es dem Kämpfer durch den Sinn, kurz bevor sich der erste der drei verbliebenen Wegelagerer auf ihn stürzte. Ein mit Eisennägeln bewehrter Knüppel pfiff durch die Luft, genau dort, wo er sich kurz zuvor befand. Er packte den Arm des Banditen am Handgelenk, und schlug mit dem Ellenbogen zu. Das Geräusch des berstenden Armes lies ihn lächeln. In der gleichen Bewegung drehte er sich hinter seinen Gegner und schlug zu. Seine Klinge bohrte sich mit solcher Wucht in den Rücken des Mannes, dass sie auf der anderen Seite wieder hervortrat. Ein kurzer Ruck, und die Klinge war wieder frei, wobei sie eine Spur aus Blut hinter sich her zog. Ohne ein weiteres Geräusch von sich zu geben, fiel der Mann zu Boden.

Der Kämpfer wandte sich seinem nächsten Gegner zu. Dieser war vorsichtiger als der erste, anscheinend hatte er aus dem Schicksal seines Kumpanen gelernt. Langsam näherte er sich dem Kämpfer. Dabei bewegte er sich zur Seite, so dass der vierte aus dem Sichtfeld des Kämpfers verschwand. Der Mann war mit einer Axt bewaffnet, deren Blatt schartig und schmutzig war. Insgeheim fragte sich der Kämpfer, ob die Gefährlichkeit der Waffe vielleicht darauf beruhe, dass sie viel eher Wundbrand hervorruft, als dass sie ernsthafte Verletzungen hervorbringe. Diese Vorstellung amüsierte ihn, waren doch vergiftete Klingen bei seinem Volk nicht ungewöhnlich.

Der Angreifer machte den ersten Schritt und sprang vor, die Axt hoch über den Kopf erhoben. Der harte Schlag hätte mit Sicherheit schweren Schaden angerichtet, wenn er sein Ziel erreicht hätte. So fuhr er nur harmlos in den weichen Boden. Ein harter Tritt traf den Banditen seitlich am Kopf und er fiel wie ein Sack zu Boden. Blut floss aus seinem Mund und seinem Ohr, und es war offensichtlich, dass sein Genick gebrochen war. Ohne einen weiteren Gedanken an den Toten zu verschwenden, drehte der Kämpfer sich um, seinem letzten Gegner zu.

Gerade noch rechtzeitig brachte er seine eigene Klinge hoch, um den zweihändig geführten Schlag des Anführers abzublocken. Er sprang zurück, um Distanz zu gewinnen. Der Anführer der Bande war anscheinend erfahrener als der Rest seiner Truppe, denn er setzte nicht sofort nach, sondern belauerte den Kämpfer.

„Brogg, Lehman und Marcus haste erledigt. Aber ich machs dir nich’ so einfach. Ich hab schon ’nen paar von euch Dunkelelfen erledigt, und da machst du auch keinen Unterschied.“ Der Anführer spie aus. „Also, komm her, Spitzohr, dann zeig ich dir mal, was ne Harke is.“

„Du redest zuviel.“ Der Kämpfer spannte sich, und ging zum Angriff über.

Ein Hagel von Schlägen ging auf den Anführer nieder. Doch seltsamerweise gelang es ihm, jedem der Hiebe entweder auszuweichen oder zu parieren. Der Dunkelelf war fasziniert. Noch nie hatte er einen Gegner außerhalb seines Volkes, der eine solche Geschicklichkeit im Kampf zeigte.

Die beiden Krieger schlugen aufeinander ein, fintierten und parierten. Die Stille des Waldes wurde von dem Geräusch der aufeinanderprallenden Klingen zerrissen. Kein Tier war mehr in der Nähe des Teiches, der ansonsten so friedlich war.

Nach einiger Zeit zeigte sich der Unterschied zwischen den beiden Kontrahenten: während der Dunkelelf schnell und geschickt kämpfte, und gegnerischen Angriffen eher auswich, als sie abzublocken oder zu parieren, setzte sein Gegenspieler auf rohe Kraft. Die Angriffe des Anführers waren nicht gerade elegant, aber dafür um so kraftvoller. Ein einziger Treffer hätte gereicht, um dem Kämpfer auszuschalten.

Dieser hingegen durchbrach mehrmals die Deckung des Banditen, der mittlerweile aus einem Dutzend kleiner Wunden blutete. Dies zeigte Wirkung: die Kräfte des Anführers begannen zu erlahmen, seine Angriffe wurden langsamer und schwerfälliger. Der Dunkelelf sah eine kleine Unachtsamkeit in der Verteidigung seines Gegner und stieß zu. Seine Klinge fand ihr Ziel in der Seite des Banditen. Mit einer raschen Bewegung riss der Dunkelelf die Klinge wieder heraus. Die Zähne der Waffe vergrößerten die Wund noch weiter, und das Blut floss in Strömen von der Seite des Anführers. Dieser stöhnte vor Schmerz auf, und das Schwert glitt aus seiner Hand. Langsam fiel er auf die Knie.

„Los Spitzohr, mach ein Ende...“ Die Worte des Banditenführers waren leise und kaum zu verstehen.

„Ich sollte dich verbluten lassen.“ Die Stimme des Dunkelelfen war voller Verachtung. „Trotzdem, du warst ein würdiger Gegner für mich. Es ist lange her, dass ich jemanden traf, der so geschickt mit dem Schwert war. Deswegen lasse ich dir eine besondere Ehre zuteil werden: Wisse, dass der Name deines Todes Corr Tae’Lon ist.“

Mit diesen Worten zog er dem Banditen die Klinge durch die Kehle. Ein Schwall von Blut schoss Tae’Lon entgegen. Dieser versuchte gar nicht erst, dem roten Lebenselexir auszuweichen, sondern er genoss das Bad darin. Es erinnerte ihn an sein zuhause.

Durch die Erinnerungen drang ein Geräusch an seine Ohren. Das Geräusch war ihm fremd, doch hatte es etwas vertrautes. Er drehte sich um und ging in die Richtung, aus der dieser merkwürdige Laut kam, in den Wald hinein...


4.

Seine Augen gewöhnten sich schnell an das Zwielicht, das in dem Wald herrschte. Vereinzelt fielen die ersten Strahlen der Morgensonne durch das Laub, und tauchten die Bäume in ein sanftes Gold. Jetzt, nachdem der Kampf am Teich vorüber war, begannen die ersten Vögel ihr Morgenlied anzustimmen, und der Wald füllte sich wieder mit seinen Geräuschen.

Tae’Lon jedoch lies sich davon nicht beirren, und folgte weiter seinem Weg, den sonderbaren Lauten entgegen.

Seine Schritte verursachten keinen Laut auf dem trockenen Boden, als er schliesslich etwas entdeckte. Verborgen hinter einem gewaltigen, umgestürzten Baum sah er, was er suchte: fünf Pferde, die Zügel lose um die Wurzeln der gefallenen Riesen geschlungen. Neben ihnen kauerte eine Gestalt mit langem, weizenfarbenen Haar. Er konnte nichts genaueres ausmachen, und so näherte er sich vorsichtig, immer auf der Hut vor einem Hinterhalt. Nur noch wenige Schritte trennten ihn von seinem Ziel als er bemerkte, dass ein grobes Seil vom Sattelknauf des einen Pferdes zu der Gestalt am Boden führte.

„Eine Gefangene. Interessant...“ Er hatte den Gedanken kaum zuende gebracht, als er seinen Fehler bemerkte. Fünf Pferde! Am Teich aber waren nur vier Gegner gewesen, also fehlte noch einer, wahrscheinlich zurückgelassen als Wache.

Just in diesem Moment hörte er ein vertrautes Surren, und ein Pfeil, abgeschossen aus dem Hinterhalt, durchschlug seine Rüstung an der rechten Schulter. Die Überraschung führte dazu, dass ihm seine Kampfklinge aus der Hand entglitt.

„Ha! Habsch disch erwischt!“ Die Stimme klang rau hinter ihm. Er fuhr herum und sah den letzten der Banditen, keine zehn Schritte von ihm entfernt.

Ein Knurren entfuhr seiner Kehle. Mit einem gewaltigen Satz sprang er hinter den umgestürzten Baum, aus dem Schussfeld seines Gegners, gerade noch rechtzeitig, denn der Bandit hatte bereits einen zweiten Pfeil auf ihn angelegt. Der Sprung Tae’Lons überraschte den Schützen jedoch, und so fuhr der Pfeil deutlich hörbar in den Baum.

Tae’Lon landete federnd hinter dem Baum. Er nahm sich kurz Zeit, herauszufinden, wie schwer seine Verletzung war. Der Pfeil war nicht tief eingedrungen, und die Verletzung war eher lästig als gefährlich. Der Schmerz störte ihn nicht, er war Schmerzen gewohnt. Im Gegenteil, er zog daraus Kraft. Daraus, und aus seiner Wut darüber, so blindlings in die Falle gegangen zu sein. Mit einem zornigern Ruck riss er den Pfeil aus seiner Schulter und versuchte, seinen Feind zu finden.

Dieser jedoch nahm Tae’Lon die Mühe ab und trat hinter dem Baum hervor. Angespornt von Hass sprang Tae’Lon auf ihn zu. Ein schneller, harter Faustschlag lies den Bogen zersplittern. Ein Tritt schleuderte den Bogenschützen zurück. Tae’Lon liess seiner Wut freien Lauf, und deckte den Banditen mit einem wahren Gewitter aus Schlägen und Tritten ein.

Ein Hieb mit dem Handballen brach dem Schützen die Nase, so dass Blut hervorschoss. Ein Tritt gegen seinen Brustkorb liess Rippen bersten. Ein Ellenbogenschlag zertrümmerte seinen Kiefer, und Blut und gebrochene Zähne spritzen aus dem Mund des Wegelagerers.

So trieb Tae’Lon seinen Widersacher durch den Wald, bis dieser schliesslich ein letztes Mal zu Boden fiel. Der Dunkelelf, noch immer in einem Blutrausch gefangen, schlug weiter und weiter auf den Gefallenen ein, bis dessen Gesicht nur noch eine rote, blutige Masse war.

Tae’Lon wusste nicht mehr, wie lange er auf seinen Gegner eingeschlagen hatte, als plötzlich wieder dieses sonderbare Geräusch in sein Bewusstsein sickerte. Langsam hob sich der rote Schleier, der vor seinen Augen lag. Erneut versuchte er, die Quelle dieses Geräusches zu entdecken, und diesmal wurde er fündig: es war die Gestalt, die immer noch neben den Pferden kauerte.

Tae’Lon richtete sich auf. Er war über und über mit dem Blut seines Gegners bedeckt, der vor ihm im trockenen Laub lag und sich nicht mehr rührte. Seine Knöchel waren von den Schlägen aufgeplatzt, doch auch das störte ihn nicht. Seine ersten Schritte lenkte er dorthin, wo ihn der Pfeil des Banditen getroffen hatte. Nach kurzem Suchen fand er seine Klinge wieder. Er wischte einige verdorrte Blätter ab und verstaute die Klinge wieder in dem Halfter an seiner Seite. Dann machte er sich langsam wieder zurück zu der Gestalt, die dort noch am Boden kauerte.

Wieder an dem improvisierten Lager angekommen, betrachtete er die Gestalt zum ersten Mal genauer. Sie war, wie die Banditen selbst, in grobe Leinen gekleidet. Ein wahre Mähne aus weizenblonden Locken ergoss sich über ihre Schultern. Diese Schultern bebten, und nun wurde dem Dunkelelfen auch klar, was das Geräusch war, dass ihm so sonderbar bekannt vorkam: die Gestalt weinte.

Reglos stand er da, während die Sonne höher stieg und den Wald in warme Farben hüllte und beobachtete das Wesen, das dort vor ihm kauerte. Nach einiger Zeit hörte das Weinen auf, und die Gestalt schaute ihn an. Er erkannte das Gesicht eines Mädchens, völlig verdreckt, mit aufgequollenen Augen. Sie war noch recht jung, vielleicht 17 oder 18 Sommer alt. Ihre Lippen zitterten, als sie ihn sah, eingehüllt in Schwarz und Silber, bedeckt mit rotem Blut.

„Bitte... tu mir nichts...“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, aber dennoch hörte er es durch das Rauschen des Waldes. Er rührte sich nicht und starrte nur in das Gesicht, das unter all dem Dreck wohl recht attraktiv war. „Du hast mich vor diesen Kerlen gerettet... ich danke dir.“

„Gerettet? Vor diesen Kerlen, ja. Doch... wer rettet dich nun vor mir?“ Die Augen des Mädchens weiteten sich vor entsetzen, als Tae’Lon seine Klinge zog und näher kam. Verzweifelt versuchte das Mädchen zu fliehen, doch das Seil, das noch immer an dem Pferd festgebunden war, hielt sie zurück.

Ein grausames Lächeln umspielte Tae’Lons Lippen, als er zum Schlag ausholte. Ein einziger, schwungvoller Hieb würde den Kopf des Mädchens abtrennen. Sein Arm fuhr mit solcher Geschwindigkeit herab, dass die Klinge im Wind schrie. Doch, kurz bevor die Klinge den Hals des Mädchens traf, streifte sein Blick ihre Augen. Und dort sah er etwas....


5.

Er sah sich selbst. Ein kleines Wesen, in Lumpen gehüllt, zusammengekauert auf einem harten, verdreckten Boden.

Fahles, kaltes Licht ging von den Leuchtsphären aus, die spärlich in dem großen Saal verteilt waren. Der Raum war groß, etwa 100 Schritte lang und beinahe ebenso breit. Kaltes Wasser rann von den Pfeilern, die das Gewölbe abstützen, und nährte die Schlingpflanzen, die sich an ihnen entlang wanden. Selten geschah es, dass ein Lufthauch durch die Halle zog. Bei jenen spärlichen Gelegenheiten sang der Wind ein Klagelied, welches sich mit dem Gewimmer und Schluchzen vermischte, das in der Halle herrschte. Zusammen ergab sich daraus eine grausame Symphonie, welche die Herren dieser Halle jedoch als angenehm empfanden.

Auf dem feuchten, kalten Boden erkannte man überall primitive Schlafplätze aus Stroh, Stofffetzen und anderem Material. Zu dieser Zeit des Tages waren nicht viele dieser Plätze belegt, die Besitzer der Lager mussten ihren höhergestellten Herren zu Diensten sein. Nicht selten geschah es, dass einer der Bewohner nicht zurückkehrte. Doch sein Platz blieb nicht lange unbesetzt, denn ständig kamen Neuankömmlinge.

Der Junge war verdreckt, und man konnte Narben auf seinem Rücken erkennen. Es war die Art Narben, die von den ledernen Riemen einer Peitsche stammten. Einige dieser Narben waren noch nicht völlig verheilt, während wieder andere kaum mehr zu sehen waren. Sein blauschwarzen Haare hingen verworren in sein Gesicht, aus dem dunkle Augen auf die vier Personen, die vor ihm standen, starrte.

Zwei dieser Personen waren Zhur’Urkahi, die gefürchteten Krieger der Dunkelelfen. Sie trugen Brustpanzer aus dunkel schimmerndem Stahl, mit passendem Arm- und Beinschutz. Da ihre momentane Aufgabe nicht der Kampf war, trugen sie keine Helme. Ihre fast schwarzen Augen starrten geradeaus, beinahe so, als würden sie ihren eigenen Gedanken anhängen. Doch wer diese Krieger kannte, wusste, dass sie niemals unaufmerksam waren. Sie waren stets bereit, einen Feind mit ihren Kampfklingen in Stücke zu schlagen. Zwar gab es hier keine Feinde für sie, doch war ihr Auftrag nichts desto weniger ehrenvoll, denn sie waren die Garde der dritten Person, die vor dem Jungen stand.

Diese dritte Person war eine Frau, die den Jungen forschend ansah. Ihr feingeschnittenes Gesicht wurde von glatten, seidig glänzenden, pechscharzen Haaren umrahmt. Ihre dunklen Augen wurden von den langen Wimpern und geschwungenen Augenbrauen betont.

Sie war in rotes und schwarzes Leder gekleidet, dass ihre Figur perfekt betonte. Die schwarze Korsage, die sie trug, wurde von blutroten Lederschnüren zusammengehalten. An ihren Händen trug sie schwarze Lederhandschuhe, die bis an ihre Ellenbogen reichten. Die Handschuhe waren mit Runen verziert, die ein glosendes, rotes Licht ausstrahlten. Ihr Rock, der beinahe bis zum Boden reichte, bestand ebenfalls aus schwarzem Leder. Die Seiten des Rockes waren bis zur Hüfte eingeschnitten, was den Blick auf wohlgeformte Beine ermöglichte, die ihrerseits bis zu den Knien von schwarzen Lederstiefeln verborgen waren. Alles in allem sah sie aus wie der Traum eines jeden Mannes, doch gab es einige Details, die dieses Bild trübten.

So waren auf dem Handrücken ihrer Handschuhe bösartig aussehende Klingen angebracht, die furchtbare Wunden reissen konnten. Ihre linke Schulter und Oberarm waren in schwarzen Stahl gehüllt, der mit Dornen besetzt war.

Doch das Eigentliche war der Ausdruck, der in ihrem liebreizenden Gesicht zu sehen war. Dieser Gesichtsausdruck war kalt, ähnlich dem einer Kobra, die bereit war, eine Ratte zu töten. Eine Aura von überlegener Arroganz umgab sie, und liess jeden erschauern, den sie anblickte. Sie erschien wie ein Engel des Todes: wunderschön, und doch gefährlicher als jede Waffe je sein konnte.

Der vierte Dunkelelf war das absolute Gegenteil der Frau. Seine Figur war für die Verhältnisse seines Volkes fett, was jedoch nicht bedeutete, dass er schwach war. Die Muskel seiner Arme traten bei jeder Bewegung hervor wie Seile einer Brücke, die im Sturm schwankte. Sein Oberkörper war nackt, und man konnte vernarbte Wunden erkennen, wie sie nur Schwerter und Pfeile entstehen lassen konnten. Sein linkes Auge war dem Hieb einer Axt oder eines Schwertes zum Opfer gefallen, wie die Narbe, die sich quer über sein linkes Gesicht zog, bewies. Er machte sich nicht die Mühe, eine Augenklappe zu tragen, und so starrte die leere Augenhöhle ständig ins Leere.

In der linken Hand hielt er eine neunschwänzige Katze, deren Griff von häufiger Benutzung abgewetzt war. Die rechte Hand, der ein Finger fehlte, hielt eine Kette, an deren Ende ein Wargh von einem mit eisernen Spitzen bewehrten Halsband festgehalten wurde. Das wolfähnliche Wesen fletschte unaufhörlich die Zähne, und sein Speichel rann seine Lefzen herab.

Der fette Dunkelelf trug den Namen Maeq’Uen, und er war der Aufseher der etwa einhundert Jungen, die in dem Saal hausten. Er war berüchtigt für seine Grausamkeit, die selbst für einen Dunkelelfen stark ausgeprägt war. Eines seiner Lieblingsspiele bestand darin, einen Sklaven, egal ob Mensch oder Ork, gefesselt in eine Grube werfen zu lassen, in der sich einer der Warghs befand. Zusammen mit den anderen Aufsehern schloss er dann Wetten darüber ab, in wie viele Teile der Wargh den Gefesselten zerreissen würde, bevor er starb.

„Das ist der, von dem Du mir erzählt hast?“ Die Stimme der Frau war zwar leise, doch die schneidende Kälte darin machte sie deutlich hörbar.

„Ja, Herrin. Das ist das Jungchen, das ich gemeint habe.“ Meaq’Uens Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

„Und was hat er so Großes vollbracht, dass ich meine Zeit mit ihm verschwenden muss?“ Ihr Blick war weiterhin starr auf den Jungen gerichtet.

„Er hat einen der anderen erschlagen, und einen der Aufseher angegriffen. Der Aufseher wird wohl in nächster Zeit nur noch auf einem Ohr hören.“ Maeq’Uen kicherte über seinen Witz. Ein eisiger Blick der Frau liess ihn verstummen.

Sie wandte ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Jungen. „Wie alt ist der hier? Und wie lautet sein Name?“

„Er ist kaum mehr als neun Zyklen alt. Und seinen Namen kenne ich nicht... Er ist einer unter vielen.“ Verachtung troff von den Worten des Aufsehers, als er den Jungen ansah.

„Nun, Junge... wie nennt man dich?“ Die Stimme der Dunkelelfin war wie ein verführerischer Hauch im Ohr des Jungen.

„Corr.“ antwortete dieser. Ein brutaler Tritt des Aufsehers warf ihn zu Boden.

„Es heisst >Corr, Herrin<!“ brüllte Maeq’Uen. Der Junge warf dem Aufseher einen hasserfüllten Blick zu, worauf dieser nur höhnisch lächelte.

„Also Corr... Sag mir, Junge, warum hast du den anderen Junge getötet?“ fragte die Frau.

Der Junge richtete sich wieder auf und spie Blut und einen Zahn aus. „Er hat mich beleidigt.“ Mit einem trotzigen Blick fügte er nach kurzem Zögern hinzu: „Herrin.“

„Er hat dich also beleidigt...“ Die Frau wandte sich an Maeq’Uen. „Unterzieh ihn der Prüfung.“

Maeq’uens schaute die Frau verwundert an. „Aber, Herrin...er ist bereits zu alt dafür, und...“ Weiter kam er nicht, denn die Frau sah ihn an und hob die Hand.

Grüne Flammen umspielten ihre Hand, als sie in leise vor sich hin murmelte. Der Aufseher wurde erbleichte und trat unwillkürlich einen Schritt zurück. Keinen Herzschlag später krümmte er sich vor Schmerzen schreiend auf dem Boden, und grünes Feuer flackerte über seinen Körper. Der Wargh an der Kette winselte voller Furcht und versuchte vergeblich, Abstand zu gewinnen.

„Du hast bereits einiges für uns geleistet, Maeq’Uen. Doch rate ich dir, treib es nicht zu weit. Wenn du mir noch ein einziges Mal widersprichst, werde ich dir dein Herz herausreissen und es an deine Schoßtiere verfüttern. Hast du das verstanden?“ Die Frau bedachte den Aufseher mit einem tödlichen Blick, und ihre Stimme schnitt durch die Luft wie ein Schwert durch den Nebel.

„Ja... ich habe verstanden....“ Mühsam erhob sich Maeq’Uen.

Die Frau bedachte den Jungen mit einem letzten Blick. „ Prüfe ihn, Elendiar Maeq’uen. Wenn er besteht, werde ich es wissen. Wenn er versagt... töte ihn.“

Mit diesen Worten drehte sich die Frau um und schritt anmutig, aber bestimmt aus dem Saal. Ihre beiden Zhur’Urkahi-Wachen folgten ihr, ohne auch nur ein Wort zu sagen.

„Ich werde tun, was ihr verlangt, Zhuma’Sharil T’essa. Ganz nach Euren Wünschen.“ rief der Aufseher ihr hinterher. Dann blickte er den Jungen an. „Du solltest hoffen, dass du die Prüfung bestehst, Mistmade. Ansonsten werde ich dich töten, und das wird kein leichter Tod für sich, das versichere ich dir.“

Der Junge Corr sah der Zhuma’Sharil hinterher, ohne auf die Worte des Aufsehers zu achten. Er würde sich der Prüfung unterziehen, und dann zu einem Krieger seines Volkes werden. Und dann, dann endlich würde er sich an Maeq’Uen rächen für die Schläge, die Schmerzen und die Demütigungen....

In letzter Sekunde änderte Tae’Lon den Lauf des Schlages. Anstatt das Mädchen zu enthaupten, ritzte die Klinge nur ihren Hals. Das Mädchen keuchte auf, mehr vor Schreck als vor Schmerz. Der Hieb hingegen durchtrennte das Seil, mit dem es an das Pferd gefesselt war.

„Geh.“ Tae’Lons Stimme war nur ein leises Grollen, das durch die Geräusche des Waldes drang.

Das Mädchen starrte ihn verwundert an. „Was meinst du?“

„Geh. Verschwinde, und vergiss das hier, bevor ich meine Meinung ändere.“ Tae’Lon schaute dem Mädchen in die Augen. „Mach, dass du wegkommst. Nimm dir die Pferde, und verschwinde.“

„Aber... was soll ich denn jetzt machen? Diese Räuber haben meine Eltern umgebracht, und wollten mich... ich weis nicht, was sie mit mir vorhatten. Ich weis ja nicht einmal wo ich bin... Bitte, hilf mir...“ Die Worte des Mädchens zitterten, so, als ob sie wieder in Tränen ausbrechen würde.

„Das ist alles nicht mein Problem. Ich habe weder die Zeit mich mit dir und deinen kindischen Problemen zu befassen, noch verspüre ich irgendeine Lust dazu.“

Mit diesen Worten stand er auf, und ging tiefer in den Wald hinein, weiter in Richtung seiner Heimat....


6.

Tae’lon kam keine zehn Schritte weit, als er hinter sich das Rascheln trocknen Laubes hörte. Er blieb stehen, und schaute über die Schulter zurück. Wie erwartet sah er hinter sich das junge Menschenmädchen, das ihm vorsichtig folgte.

„Habe ich nicht gesagt, du sollst verschwinden?“ Tae’Lon gab sich keine Mühe, den Zorn in seiner Stimme zu unterdrücken.
„Aber... ich weis doch nicht, wo ich hin soll... kann ich nicht bei dir bleiben? Und wie heisst du überhaupt? Ich bin Lyandra.“ Das Mädchen schaute auf den Kämpfer, der im goldenen Licht der frühen Sonne vor ihr stand.
„Nein, du kannst nicht bei mir bleiben. Und dein Name interessiert mich nicht. Hau ab.“ Tae’Lon würdigte das Mädchen keines weiteren Blickes, als er sich wieder seinem Weg zuwand. Doch kaum hatte er einen Schritt getan, da hörte er wieder, wie Lyandra ihm folgte. Missmutig beschleunigte er seinen Gang, doch das Mädchen blieb ihm auf den Fersen.

Nach einer Weile reichte es ihm. Er blieb stehen und drehte sich um. Lyandra blieb ebenfalls stehen und schaute ihn mit ihren großen, jadegrünen Augen an.

„Zum letzten Mal: Verschwinde! Ich habe genug davon, dass du mir hinterherläufst wie ein Hund einem Stück Fleisch.“ Tae’Lons grollte diese Worte voller Wut.
„Nein. Ich bleibe bei dir. Du hast mich gerettet, und bist jetzt für mich verantwortlich. Ausserdem kann ich dir helfen.“ entgegnete Lyandra trotzig.
Tae’lon starrte sie einen Herzschlag lang an. Dann brach er ich schallendes Gelächter aus.
„Ich soll verantwortlich für dich sein? Wer hat dir diesen Unfug in den Kopf gesetzt? Und ausgerechnet DU willst mir helfen? Wie? Indem du hinter mir her trampelst wie ein Oger im Vollrausch und eine Spur hinterlässt, die nur ein Blinder übersehen könnte? Wobei willst du mir schon helfen? Du bist zu nichts nutze. Du bist laut, und kannst wahrscheinlich nicht einmal ein Kaninchen töten, wenn es gefesselt vor dir liegt. Im Gegenteil, du bist eine Last für mich. Sei froh, dass ich dir nicht deinen hässlichen Kopf von deinem dürren Hals geschlagen habe. Und jetzt geh endlich.“
Tae’lon starrte das Mädchen feindselig an.
„Ich...ich kann kochen. Und nähen. Und ich habe schon einen Fuchs erschlagen, der hinter unseren Hühnern her war.“ Weiter kam Lyandra nicht, denn plötzlich stand Tae’Lon vor ihr. Sie hatte nicht einmal gesehen, dass er sich bewegt hatte, als sie plötzlich seine Hand an ihrer Kehle fühlte.

Mit beinah spielerischer Leichtigkeit hob er sie hoch und drückte sie an einen nahegelegenen Baum. Die raue Rinde bescherte ihr schmerzhafte Striemen auf dem Rücken. Sie sah Tae’Lons dunkle Augen direkt vor sich, als sie verzweifelt nach Luft schnappte.
„So, du hast also einen Fuchs getötet. Ein Tier, welches sich kaum wehren kann. Würdest du es schaffen, einen Menschen zu töten? Ich bezweifle das. Du kannst mit Sicherheit nicht einmal ein Schwert halten.“ raunte der Dunkelelf ihr zu.
Sie bewegte die Lippen, doch kein Ton kam über ihre Lippen. Der Griff Tae’Lon war zu stark.

Angewidert lies der Dunkelelf das Mädchen los. Sie sackte auf die Knie und rang keuchend nach Atem. Gerade als Tae’Lon gehen wollte, hörte er ihre leisen Worte.
„Bring es mir bei.“
Langsam drehte sich der Kämpfer dem Mädchen zu. Lyandra starrte ihn an.
„Was hast du gesagt?“ Die Verwunderung in Tae’Lons Worten war unüberhörbar.
„Bring es mir bei.“ Trotzig schob Lyandra ihren Unterkiefer nach vorne. „Bring mir bei, wie man jemanden tötet.“
Tae’Lon schaute sie ungläubig an. Doch als er in ihre Augen sah, die von Tränen gefüllt waren, erkannte er den gleichen Trotz, den er von sich kannte, damals, vor so vielen Jahren...

Lange Zeit herrschte Stille. Allein das Rauschen der Bäume und das Gezwitscher der Vögel war zu hören. Inmitten des Waldes stand Tae’Lon, Assassine und Krieger der Dunkelelfen, in Schwarz und Silber, bedeckt von Blut, das langsam in dem warmen Lufthauch trocknete, der durch den Wald strich.
Vor ihm kniete ein junges Menschenmädchen, gekleidet in einfache Leinen, mit weizenfarbenen, langen Haar. Das Mädchen Lyandra blickte den Dunkelelfen erwartungsvoll an.
„Das sagst du, aber du meinst es nicht.“ Rau und dunkel durchdrang die Stimme des Dunkelelfen durch den Wald.
„Doch. Zeig es mir. Bring es mir bei.“ Lyandras Stimme war leise, aber trotzdem so klar wie der Klang einer Glocke.

Wieder zögerte Tae’Lon. Dann zog er einen der langen Dolche, die in Scheiden an den Seiten seiner Stiefel waren. Das Heft voran warf er den Dolch vor dem Mädchen in das trockene Laub, das den Waldboden bedeckte.
„Nimm ihn.“ sagte Tae’Lon bestimmt.
Lyandra griff nach dem Dolch und hielt ihn vor sich. „Und jetzt?“ fragte sie den Kämpfer.
„Und jetzt... greif mich an.“ Tae’Lon sah sie herausfordernd an.
„Dich angreifen?“
„Ja. Los, greif mich an. Mit diesem Dolch. Du musst versuchen, mich mit dem spitzen Ende zu treffen.“ Beissender Spott lag in den Worten des Elfen.

Einen kurzen Moment lang starrte Lyandra von Tae’Lon auf die Klinge in ihrer Hand. Sie länger als ihr Unterarm, mit nur einer Schneide. Der Rücken der Klinge erinnerte sie an eine Säge, denn sie war mit Zähnen bewehrt. Das Heft der Waffe war einfach gearbeitet, und anstatt einer Parierstange sah sie einen einfachen Metallring.
Sie nahm all ihren Mut zusammen und sprang auf Tae’lon zu. Dieser jedoch wich dem halbherzig geführten Stoss ohne Mühe aus. Lyandra, noch im Schwung ihres ungeschickten Hiebes, verfing sich im Rock ihres einfachen Kleides, stolperte und fiel zu Boden.
Noch während sie fiel hörte sie das hämische Lachen des Dunkelelfen.
„Wenn du dich weiter so anstellst, werde ich vielleicht meine Meinung ändern und dir doch noch den Hals aufschlitzen. Denn du verschwendest meine Zeit.“
Wütend über seine Worte rappelte sich Lyandra auf. Den Dolch mit beiden Händen fest umklammert, stürmte sie auf Tae’Lon zu. Dieser jedoch packte das Mädchen am Handgelenk, vollführte eine elegante Drehung, und schleuderte Lyandra wieder zu Boden. Wieder hinderte sie der Rock daran, schnell auf die Beine zu kommen.
„Zu unbedacht. Und deine... elegante Kleidung behindert dich.“ stellte Tae’Lon nüchtern fest.

Noch bevor Lyandra wusste, was geschah, stand der Kämpfer über ihr, ein Messer in der Hand. Sie sah die Klinge aufblitzen, als der Dunkelelf ihren Rock zerschnitt. Nur Sekunden später stand der Elf wieder zwei Schritte von ihr entfernt und begutachtete sein Werk. Der Rock, der zuvor fast bis zum Boden reichte, endete nun auf halber Höhe ihrer Oberschenkel und gab den Blick auf ihre schlanken, aber muskulösen Beine frei.
„So ist das besser.“ Tae’Lon war sichtlich zufrieden mit seinem Werk.
Lyandra spürte, wie ihr das Blut in den Kopf schoss. Noch nie zuvor hatte ein Mann ihre Beine so gesehen. Schamesrot erhob sie sich und klopfte einige Blätter von den Überresten ihres Kleides.
„Und jetzt... greif mich endlich an. Um Kinderspiele zu spielen bin ich zu alt.“ Wieder schwang der Spott in den Worten des Dunkelelfen.
Wütend ging Lyandra erneut auf ihn los. Und wieder wich Tae’Lon ihrem Hieb mühelos aus. Und wieder strauchelte sie, vorangetrieben von ihrem eigenen Schwung. Doch diesmal stürzte sie nicht, sondern konnte sich rechtzeitig fangen.
„Wenn du dich so verteidigt hast, als die Räuber euch überfallen haben, wundert mich nicht, warum du gefangen wurdest und deine Eltern jetzt den Geiern als Nahrung dienen.“ Angesicht dieser Worte stiess Lyandra einen zornigen Schrei aus und warf sich auf Tae’Lon.

Langsam wich der Kämpfer zurück, während er den ungestümen Hieben des Mädchens mit eleganten Bewegungen auswich. Immer wieder schlug Lyandra nach dem Dunkelelfen, der angesichts ihrer unbeholfenen Art grinsen musste. Dieses Grinsen spornte Lyandra nur noch mehr an, und sie versuchte mit immer wilderen Hieben, Tae’Lon zu treffen. Plötzlich jedoch liess dieser sich zu Boden sacken und trat ihr mit einem gekonnten, wenn auch brutalen, Manöver die Beine unter dem Leib weg. Lyandra schlug hart auf dem Boden auf, und nur das dicke Laub dämpfte ihren Fall. Trotzdem war den Aufprall so heftig, dass ihr Tränen des Schmerzes in die Augen schossen.
„So war das schon besser.“ Düster drang die Stimme ihres Gegners an ihr Ohr. „Nutze deinen Zorn, deinen Hass und beziehe Kraft daraus. Aber du solltest eins nie vergessen: ein heisser Zorn bringt zwar mehr Stärke, er macht dich aber verwundbar. Kontrolliere deine Wut, und sie wird ein mächtiger Verbündeter für dich werden.“
Lyandra sah zu Tae’Lon auf, der über ihr stand. Während sie verzweifelt versuchte, die Tränen aus ihren Augen zu verdrängen, nickte sie.
„Du hast den ersten Schritt getan.“ Der Dunkelelf reichte ihr die Hand. „Soll ich die helfen, auf den blutigen Pfaden des Todes zu wandeln?“
Zögernd ergriff sie seine Hand und liess sich von ihm auf helfen. „Ja... das will ich.“ Obwohl sie sich bemühte, ihre Worte bestimmt und sicher klingen zu lassen, zitterte ihre Stimme.
Der Dunkelelf nickte. „Also fangen wir an.“

Er zog seinen zweiten Dolch, der dem, den Lyarnda jetzt trug, zum Verwechseln ähnlich sah. Tae’Lon bedeutete ihr, seine Bewegungen nachzuahmen. Anfangs noch unbeholfen folgte sie seinen Anweisungen, doch schon nach einer Weile fand sie ihren eigenen Rhythmus. So machten sie weiter, bis die Sonne bereits hoch im Zenit stand...


7.

Lyandras ganzer Körper schmerzte. Ihre Arme waren schwer wie Blei und ihre Beine waren zerkratzt von den Sträuchern und losen Ästen, die auf dem Waldboden verstreut waren. Ihr Haar klebte ihr, nass vom Schweiß, im Gesicht. Sie holte stoßweise Atem, als sie ihren ungewöhnlichen Lehrmeister anblickte.

Der Dunkelelf hatte sich locker an einen Baum gelehnt. Sein muskulöser Körper, knapp zwei Schritt groß, faszinierte das Mädchen. Er war keiner dieser Muskelberge, die sie schon wenige Male gesehen hatte, und die man Gladiatoren nannte. Dennoch kannte sie die Kraft, die ihn seinen sehnigen Armen steckte, bereits. Auch hatte sie seiner Bewegungen studiert, als sie im zwielichtigen Grün und Gold des Waldes trainierten. Er erinnerte sie an eine jagende Katze, leicht und elegant, aber immer kraftvoll und zielstrebig. In den vergangene Stunden hatte er sie nicht aus den Augen gelassen und jede ihrer Bewegungen mit seinen dunklen Augen verfolgt.

„Wie fühlst du dich?“, fragte Tae’Lon. Er stellte diese Frage in einem fast neutralen Tonfall, doch Lyandra hörte leise Belustigung darin.
„Mir tut alles weh. Ich bin müde, und habe Hunger.“
Tae’Lon liess ein kurzes, hartes Lachen vernehmen. Der Laut liess das Mädchen erschauern.
„Du hast doch keinerlei Ahnung davon, was Schmerzen sind.“, grollte er.
„Nein, wahrscheinlich nicht so wie du.“, war ihre ehrliche Antwort. „Können wir eine Pause machen? Ich bin völlig am Ende.“ fragte sie hoffnungsvoll.
Tae’Lon entgegnete nichts, sondern beobachtete sie weiter. Der Schweiß glitzerte im Licht der Sonne, als er ihr von der Stirn rann und sich zwischen ihren Brüsten sammelte. Ihre Brust hob und senkte sich, als sie versuchte, wieder zu Atem zu kommen.

Tae’lon löste sich von dem Baum und kam langsam näher, ähnlich einem Raubtier, das sich einer verwundeten Beute näherte. Eine Aura des Unheils umgab ihn, verstärkt durch seine düstere Kleidung. Das Blut des Kampfes vom Morgen hatte er in der Zwischenzeit mit Hilfe von Moos und Blättern abgewischt. Lyandra trat unwillkürlich einen Schritt zurück.
„Bist du der Meinung, etwas gelernt zu haben?“, fragte der Dunkelelf, der nun etwa drei Schritte vor ihre stehenblieb.
Lyandra überlegte kurz. „Ja... ja, ich denke schon.“, antwortete sie.
„Dann zeig es!“

Mit diesen Worten sprang Tae’Lon auf das Mädchen zu. Lyandra, erschrocken von der nahezu unheimlichen Geschwindigkeit, mit der der Elf sich bewegte, prallte zurück, und entkam so um Haaresbreite einem Hieb des Elfen. Sie sah das Funkeln von Stahl, der kurz vor ihrem Gesicht vorbei zischte. Sie hatte kaum die Zeit, einen klaren Gedanken zu fassen, denn der Kämpfer schlug weiter auf sie ein. Mühsam wich sie einigen seiner Angriffe aus, und es gelang ihr sogar ein oder zwei Mal, sein Messer mit ihrer eigenen Klinge zu parieren. Doch die Anstrengungen des Morgens waren zuviel für ihren geschundenen Körper. Sie bewegte sich langsam und fahrig, taumelte mehr als dass sie bewusste Schritte tat. Sie sah noch die Faust des Elfen auf sich zu zucken, und dann verging die Welt um sie herum in einer bunten Explosion. Danach folgte schwärze...

Als sie wieder zu sich kam, dämmerte es bereits. Das erste, was sie wahrnahm, war der Geschmack ihres eigenen Blutes in ihrem Mund. Sie tastete danach, und fühlte, dass ihr Unterlippe geschwollen und blutverkrustet war. Mühselig hob sie den Kopf, um sich umzusehen. Bereits diese kleine Bewegung schickte furchtbare Schmerzen durch ihren gesamten Körper. Langsam erhob sie sich, und stöhnte gequält auf.

Als die bunten Punkte vor ihren Augen verschwunden waren, blickte sie sich um. Das warme Licht der Abendsonne tauchte den Wald in ein unheimliches Rot. Es war still geworden, nur in der Ferne erklang der Ruf eines Käuzchens. Als sich ihre Augen an das Zwielicht gewöhnt hatten, stellte sie erschrocken fest, dass sie allein war. Tae’Lon war fort, ohne eine Spur zu hinterlassen. Sie suchte die nähere Umgebung ab, aber nirgendwo war ein Zeichen von ihm zu finden. Alles, was sie fand, war der Dolch, der noch an der gleichen Stelle lag, an dem sie ihn verloren hatte, als der Dunkelelf sie niedergeschlagen hatte.

Entmutigt und kraftlos liess sie sich an einem Baumstamm zu Boden sinken. Alles tat ihr weh, und die Schmerzen liessen Tränen in ihre Augen schiessen. Sie schloss die Augen und lehnte ihren Kopf an den Stamm des Baumes. Ich darf nicht weinen. Ich bin nicht schwach. ging es ihr durch den Kopf. Doch so sehr sie sich auch bemühte, ein leises Schluchzen drang aus ihrer Kehle. Sie dachte an ihren Vater und ihre Mutter. Sie erinnerte sich an das Blut, das aus Vaters Mund und Nase rann, nachdem die Banditen ihm den Schädel eingeschlagen hatten. Wieder hörte sie die Schreie ihrer Mutter, als die Banditen sie schändeten, einer nach dem anderen. Das Geräusch, mit dem der Anführer der Banditen ihrer Mutter die Kehle aufschlitzte, würde sie nie vergessen. Während sie leise weinend dort am Fuße des Baumes kauerte, brach die Dunkelheit herein...

„Du bist also wieder wach.“ Tae’Lons Stimme erklang hinter ihr, und erschrocken fuhr sie herum. Mehr instinktiv denn bewusst hob sie den Dolch, doch die Bewegung jagte neue Qualen durch ihren Körper. Der Dolch fiel zu Boden.
Tae’Lons hochgewachsene Gestalt schälte sich aus der Finsternis. Er stand keine zwei Schritte vor ihr, und dennoch hatte sie weder gesehen, noch gehört wie er sich näherte.
„Ich hatte recht. Du hast nur meine Zeit verschwendet. Jedes Kind meines Volkes hätte besser gekämpft. Ich hätte dich in der ersten Sekunde töten können. Ich frage mich, warum ich es nicht getan habe... Vielleicht, um deine Demütigung mitzuerleben.“ Verachtung und Abscheu lag in den Worten des Kämpfers. „Du bist vollkommen wertlos. Aus dir wird nie eine Kriegerin werden.“ Eine kurze Pause folgte. Dann warf Tae’Lon etwas vor ihre Füsse. Sie erkannte ein totes Kaninchen, dessen Kopf seltsam verkrümmt zur Seite gedreht war.
„Wenn du Hunger hast, iss. Wenn nicht, lass es.“

Lyandra betrachtete zuerst das tote Wesen vor ihr, dann Tae’Lon. Sie wischte sich die Tränen ab.
„Sollen wir ein Feuer machen, um es zu braten? Ausserdem wird es sicher kalt.“
„Kein Feuer.“
„Aber... wie soll ich es denn sonst essen?“, fragte das Mädchen verzweifelt.
„Kein Feuer. Iss es, oder lass es, das ist mir gleich.“ Der Tonfall des Dunkelelfen war endgültig.

Angewidert nahm Lyandra den Dolch. Mit einigen ungeschickten Schnitten zog sie dem toten Tier das Fell ab. Sie ekelte sich davor, doch angesichts des nagenden Hungers, den sie bisher wegen der Schmerzen kaum gespürt hatte, und der sich nun bemerkbar machte, schnitt sie ein Stück aus der Flanke und schob ihn sich in den Mund. Würgend kaute sie das rohe Fleisch und schluckte.
Tae’Lon ging vor ihr in die Knie und schaute sie erwartungsvoll an. Seine Stimme klang düster durch die Dunkelheit, als er sie fragte: „Wie gefällt es dir?“
Verwirrt sah das Mädchen Tae’Lon an, von dem sie nur dunkle Umrisse vor einem noch dunkleren Hintergrund ausmachen konnte.
„Gefällt mir was?“ Lyandra wusste nicht, was der Elf meinte.
„Der Geschmack frischen Fleisches und warmen Blutes. Wie gefällt er dir?“
Mit einem Mal nahm das Mädchen die warme, leicht metallisch schmeckende Substanz in ihrem Mund wahr. Sie liess den Kadaver fallen, drehte sich um und übergab sich mehrmals, so lange, bis nur noch bittere Galle aus ihrem Mund kam.
Hinter sich hörte sie das Lachen ihres Begleiters. Er schien sich darüber köstlich zu amüsieren.

Sie wischte sich den Mund ab, und versuchte, den abartigen Geschmack zu ignorieren, der sich in ihrem Mund breitgemacht hatte. Mittlerweile hatten sich ihre Augen auch an die Dunkelheit gewöhnt, und sie erkannte, dass Tae’Lon sich an einen Baum gesetzt hatte, die Augen geschlossen.
„Bist du noch wach?“, fragte sie leise. Ein Grunzen war die einzige Antwort, die sie erhielt. „Warum hast du mich am Leben gelassen?“
Tae’Lon öffnete die Augen und schaute sie an. Sie verstand ihn kaum, als er sagte: „Ich habe dich am Leben gelassen, weil ich glaubte, in dir großes Potential zu erkennen.“
Verwirrt kroch das Mädchen näher an ihn heran. „Potential? Für was?“, fragte sie.
Tae’Lon aber schloss wieder die Augen, und ein Lächeln umspielte seine Lippen. Einige wenige Augenblicke später schien er eingeschlafen zu sein.

Lyandra dachte noch eine Weile über die rätselhaften Worte des Dunkelelfen nach, ohne einen Sinn dahinter zu entdecken. Dann kauerte sie sich in der Dunkelheit zusammen und versuchte zu schlafen. Doch es gelang ihr nicht. Die Nacht brachte eine schneidende Kälte mit sich, und sie fror erbärmlich. Langsam, und darauf bedacht, kein Geräusch zu verursachen, kroch sie auf Tae’Lon zu. Dieser schien weiterhin fest zu schlafen. Vorsichtig schmiegte sie sich an ihn. Der Dunkelelf bewegte sich kurz im Schlaf, aber ansonsten schien er nichts zu bemerken. Wieder schloss sie die Augen und, von ihm gewärmt, schlief sie ein....

Der Morgen war noch nicht alt, als sie erwachte. Sie lag auf dem Boden, und von Tae’Lon war wieder einmal nichts zu sehen.
Sie rollte sich auf den Rücken und streckte sich, doch bereits im nächsten Augenblick bereute sie es. Es schien ihr, als würde flüssiges Feuer durch ihre Muskeln rinnen, und sie spüre jeden einzelnen Knochen in ihrem Körper. Ächzend stand sie auf, und hielt nach dem Dunkelelfen Ausschau. Kurze Zeit später entdeckte sie ihn, im Schneidersitz auf dem Boden, die Augen geschlossen. Vorsichtig zog sie den Dolch aus dem billigen, zerschundenen Gürtel, der die Reste ihres Kleides zusammenhielt. Langsam schlich sie sich hinter seinem Rücken an ihn an. Geduckt stand sie kurz hinter ihm, hob den Dolch und schlug zu. Doch ihr Hieb erreichte sein Ziel nicht. Wenige Zentimeter, bevor die Klinge den Hals des Elfen berührt hätte, fuhr dessen Hand hoch und packte sie in eisernem Griff am Handgelenk. Eine kurze Bewegung, und der Dolch entglitt ihr.
„Du trampelst immer noch herum wie eine Kuh auf der Weide.“, Tae’Lon drehte ihr den Kopf zu und öffnete die Augen. Er liess ihre Hand los und erhob sich geschmeidig.
„Ich werde jetzt gehen.“, sagte er, drehte sich um und ging los.
„Und was wird aus mir?“, hörte er sie sagen, voller Verzweiflung.
„Das ist mir egal. Du bist nicht weiter interessant für mich. Tu, was du willst.“
„Ich werde dich noch ein wenig begleiten. Vielleicht... kommen wir ja an einem Dorf vorbei, wo ich bleiben kann.“, sagte sie bestimmt und lief los, um ihn einzuholen.
Neben ihm hörte sie ihn sagen: „Wie du willst. Aber ich werde keine Rücksicht auf dich nehmen. Und wenn du mir in die Quere kommst...“ Er beendete den Satz nicht, doch die Drohung hing nahezu greifbar in der Luft.

Lange Zeit gingen sie schweigend durch den Wald. Der Gesang der Vögel erfüllte die Luft, untermalt vom Flüstern der Bäume, deren Blätter im leichten Wind sprachen. Tae’Lon verursachte kaum einen Laut, obwohl er mit kraftvollen Schritten vorwärts ging. Lyandra bemühte sich, leise zu sein, doch immer wieder zerbrach ein trockenes Ästchen unter ihren Füssen. Jedes mal schrak sie zusammen, doch der Dunkelelf schien es nicht zu bemerken.

„Wohin willst du überhaupt?“ fragte das Mädchen, in der Hoffnung, eine Unterhaltung würde sie von dem mittlerweile sehr starken Hunger, der sie plagte, ablenken. Doch der dunkel gekleidete Kämpfer antwortete nicht. „Ich weis auch immer noch nicht deinen Namen. Woher bist du gekommen? Und was hast du dort gemacht?“
Tae’Lon blieb stehen und drehte sich ihr zu. „Deine ewige Fragerei wird mir lästig. Sei still, oder ich schlage dich noch einmal bewusstlos und lasse dich hier zurück.“
Lyandra wich einen Schritt zurück, denn sie verspürte keine Lust, die Faust des Dunkelelfen ein weiteres Mal zu spüren. Ihr Kopf schmerzte noch immer von dem letzten Schlag.
„Ich habe doch nur Hunger, und will etwas über meinen geheimnisvollen Retter und Lehrer wissen.“, sagte sie mit einem Lächeln.
Tae’Lons rechte Augenbraue hob sich. Es schien als wolle er etwas sagen, doch plötzlich ruckte sein Kopf herum, und er fiel in die Hocke.
„Runter.“, raunte er und zog Lyandra zu Boden.
„Was ist los? Kommt jemand? Ich höre...“ setzte sie an, doch Tae’Lon unterbrach sie.
„Still! Es ist etwas in der Nähe...“ Aufmerksam beobachtete der Kämpfer das Waldstück, das vor ihnen lag. Sein Körper war gespannt, und seine Hand glitt zu seiner Kampfklinge.

Jetzt hörte Lyandra auch etwas: mehrere Stimmen, seltsam hoch, aber dennoch kehlig, mit einem Tonfall, der sie an eine meckernde Ziege erinnerte. Zwar verstand sie nichts genaues, doch ein einziges „Wort“ wurde ständig wiederholt. Und dieses Wort lautete „Schniepel!“ 1
Beinahe hätte sie laut aufgelacht, denn dieses Wort klang komisch in ihren Ohren. Doch Tae’lon knurrte.
„Goblins... dreckige, stinkende Kreaturen... widerwärtige Orkbrut.“ Er wandte sich dem Mädchen zu. „Gleich werden wir sehen, ob du gegen diese Missgeburten eine besser Figur machst, als gegen mich.“ Mit diesen Worten huschte er wie ein Schatten in die Richtung, aus der die Stimmen kamen. Lyandra versuchte, ihm auf den Fersen zu bleiben, doch er war zu schnell für sie, und sie verlor ihn aus den Augen.

Tae’lon bewegte sich wie ein Panther auf Beutezug. Schon nach wenigen Herzschlägen hatte er sein Ziel erreicht: ein kleines Lager, bestehend aus vier primitiven Zelten, die im Kreis aufgestellt waren. In der Mitte der Zelte brannte ein Lagerfeuer, über dem, auf einem einfachen Gestell, ein schmiedeeiserner, großer Topf hing. In dem Kessel blubberte und brodelte eine braune, zähe Masse. Ihr Gestank drang Tae’Lon, selbst dort wo er kniete und das Camp beobachtete, in die Nase. Neben der Feuerstelle stand eine hässliche Goblinfrau, einen großen Holzlöffel in der Hand und auf dem Arm ein in Fetzen gehülltes Bündel, das wohl ein Kind war. Die Goblinfrau war wohl für das Essen, wenn man es so nennen mochte, zuständig.
In ihrer Nähe balgten sich drei weiter Goblinkinder, zwei Jungen und ein Mädchen. Sie waren etwa einen Kopf kleiner als die Frau, und reichten damit vielleicht bis an Tae’Lons Hüfte. Die beiden Jungen schlugen spielerisch mit Ästen nacheinander, während das Mädchen sie mit Dreckklumpen bewarf. Sie kreischten vergnügt bei ihrem Spiel.
Vor dem hintersten Zelt saß ein alter Goblin, mit bereits weissen Haaren. Er trug einen bestickten Lendenschurz, und um den Hals eine Halskette, die aus den Zähnen und Knochen von Tieren zu bestehen schien. Neben seinem rechten Bein lag eine Keule auf dem Boden. Sie war aus dem Oberschenkelknochen eines Hirsches gefertigt, und ebenfalls mit Symbolen, ähnlich denen auf dem Lendenschurz, bemalt. Der alte Goblin schien der Schamane dieses kleinen Stammes zu sein.
Vor dem Schamanen standen zwei weitere Goblins, die in einen hitzigen Streit verwickelt waren. Einer der beiden trug ein altes, rostiges Kettenhemd und war mit einem Kurzschwert bewaffnet. Der andere trug einen Brustpanzer, der wohl einige Nummern zu groß für ihn war, da der Goblin ihn laufend zurechtrückte. Über dem Rücken trug er einen Köcher mit mehreren Pfeilen, Munition für den Kurzbogen, den er in der linken hielt. An seiner Seite baumelte eine einfache Keule, deren Kopf mit Bronzebändern umwickelt war. In diesem Moment kreischte der Goblin etwas unverständliches und fuchtelte mit der rechten vor seinem Gegenüber herum. Um was es bei diesem Streit ging, war Tae’Lon völlig egal.
Er richtete seine Aufmerksamkeit auf eine andre Seite des Lagers. Dort sah er wieder drei Goblins, die gerade dabei waren, einen toten Hirsch zu zerlegen, wobei sie sich nicht sonderlich geschickt anstellten.
In einer anderen Ecke des Lagers erkannte er eine improvisierte Schmiede. Dort waren zwei der Kreaturen gerade damit beschäftigt, mehrere Kurz- und Langschwerter zu schleifen. Neben ihnen glühten die letzten Reste eines Feuers, das wohl eine Esse sein sollte.
Keiner der Goblins bemerkte den Dunkelelfen, der sich keine zehn Schritte von ihnen entfernt hinter einem Felsen verbarg. Tae’Lon lächelte innerlich in Erwartung dessen, was gleich geschehen würde.

Obwohl er das Geräusch hinter sich hörte, drehte er sich nicht um, denn er wusste, was es verursacht hatte. Lyandra duckte sich, leicht ausser Atem, neben ihm hinter den Felsbrocken. Er blickte sie kurz an, und nickte in Richtung des Lagers.
„Diese Geschöpfe sollten eine gute Übung für dich sein.“, sagte er und der Blick in seinen Augen liess sie frösteln.
Noch bevor sie etwas entgegnen konnte, zog Tae’Lon eines seiner Wurfmesser. Mit einer schnellen Bewegung erhob er sich und warf die kurze Klinge in Richtung des Lagers. Lyandra konnte den Wurf kaum erkennen, doch dafür war seine Wirkung unüberhörbar.
Das Messer legte die Distanz zwischen dem Werfer und dem Ziel in einer Sekunde zurück. Der Wurf war perfekt gezielt, und die Klinge mit solcher Wucht zwischen die Augen des sitzenden Schamanen, dass sie bis zum Heft eindrang. Dieser riss vor Verwunderung die Augen auf, und kippte dann tot zur Seite. Die beiden streitenden Goblins verstummten, blickten zu dem Leichnam, der jetzt neben ihnen lag, und stiessen dann ein markerschütterndes Gekreische aus. Sofort entstand ein Tumult im Lager. Das Baby der Goblinfrau fing an zu kreischen, während die drei Kinder verschreckt von ihrem Spiel abliessen. Die drei Goblins, die mit dem Hirsch beschäftigt waren, rannten zu den beiden anderen, die neben dem toten Schmanen standen. Der Schmied und sein Gehilfe packten ohne zu zögern zwei der Waffen, die sie gerade bearbeiteten und sprangen auf.

Tae’Lon dreht sich zu Lyandra. „Folge mir.“ Mit dieser Anweisung rannte er in Richtung des Lagers. Lyandra erhob sich und folgte dem Dunkelelfen, so schnell und so gut sie konnte, ohne auf dem Waldboden zu stolpern. Sie vermutete, dass ihr Begleiter die Goblins mit einem Sturmangriff überraschen wollte. Doch sie irrte sich.

Wie ein schwarz-silberner Schemen glitt Tae’Lon durch das Lager, direkt an den drei Goblinjägern vorbei. Ein schneller Schlag trennte den Kopf des ersten Goblins von seinen Schultern, und sein Blut schoss einen Schritt hoch in die Höhe. Seine beiden Begleiter merkten erst etwas, als sie von den ersten Blutspritzern getroffen würden. Schliddernd und rutschend kamen sie zum stehen und blickten in die Richtung, in die Tae’Lon verschwand. Doch der war bereits wieder im Wald verschwunden.
Der abgeschlagene Kopf des Goblins schlug mit einem seltsam hohlen Geräusch auf den Boden auf und rollte ein paar Schritte weiter. Die Goblinfrau sah dem rollenden Kopf, der eine Blutspur auf dem Boden hinterliess nach. Als der Kopf zum Liegen kam, entdeckte sie Lyandra, die gerade um ein Zelt bog. Mit dem Holzlöffel deutete sie auf das Mädchen, das nun ebenfalls stehen blieb, und heulte. Sofort waren die anderen Goblins aufmerksam geworden, und stürmten nun auf ihren Gegner zu.

Lyandra stockte der Atem, als sie die sechs Goblins, die mit wildem Gekreische und erhobenen Waffen auf sie zurannten, sah. Wie angewurzelt stand sie dort und starrte den kleinen Kreaturen entgegnen. Endlich reagierten ihre Beine so, wie ihr Verstand es verlangt: sie warf sich herum und lief los. Doch die Goblins, die hier zu Hause waren, kannten das Gelände und kamen immer näher. Zu guter Letzt blieb sie an einer aus dem Boden ragenden Wurzel hängen und strauchelte. Zwar stürzte sie nicht, doch brauchte sie viel zu lange, um den Goblins zu entkommen.
Mit dem Mut der Verzweiflung drehte sie sich um, stiess etwas aus, was man mit gutem Willen Kampfschrei hätte nennen können, und stürzte sich auf die Goblins.
Diese waren von der neuen Situation so überrascht, dass Lyandra dem ersten von ihnen ihren Dolch in die Brust treiben konnte. Das Geschöpf starrte verwundert auf die Klinge, gab ein fragendes Quieken von sich und sackte zusammen. Lyandra zog den Dolch aus dem toten Körper. Die verbliebenen Goblins überwanden ihre Verblüffung und gingen zum Angriff über.
Lyandra wehrte sich so gut sie konnte, und schaffte es, einer der Kreaturen eine tiefe Wunde in den Unterarm zu versetzen. Doch die Goblins, obwohl klein und schwächlich, waren behände und mit dem Kämpfen vertraut. Und so geschah es, dass einer von ihnen dem Mädchen sein Kurzschwert in den Oberschenkel schlug.
Lyandra stürzte, und Tränen schossen ihr in die Augen. Nie zuvor hatte sie solche Schmerzen erlebt. Sie lag auf dem Boden, und einer der beiden gerüsteten Goblins stand über ihr. Er hob seine Keule, und wollte dem Mädchen den Schädel zertrümmern, als die Luft sich plötzlich rot färbte. Der Goblin kippte nach vorne über und fiel auf Lyandra. Durch den roten Schleier, der jetzt alles überzog, konnte sie ihren Begleiter erkennen, der nun auf die Goblins los ging.

Tae’Lon kam über sie wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Dem Anführer der Goblins, der Lyandra erschlagen wollte, versetzte er einen harten Schlag, und der rechte Arm des Wesens flog mit samt seiner Waffe durch die Luft, eine rote Spur hinter sich lassend. Er fühlte das Adrenalin durch seine Adern fliessen, als er sich lachend auf die verbliebenen vier Goblins stürzte. Seine Klinge sang ein Lied des Todes, als sie Fleisch zerriss, Gliedmaßen abtrennte und das Waldstück mit rotem Blut tränkte.
Der Kampf dauerte nicht lange, und Tae’Lon war der einzige, der noch auf den Beinen war. Er begutachtete sein Werk, und lächelte. Ein schneller Tritt stieß die Leiche des Goblins von Lyandra.
„Du lebst also noch, und du hast es sogar geschafft, eins dieser Wesen umzubringen. Ich wäre sogar fast stolz auf dich, wenn du nicht ein Mensch wärst.“
Lyandra schaffte es trotz der Wunde in ihrem Bein, aufzustehen und sich einigermaßen aufrecht zu halten.
„Was sollte das? Ich hätte sterben können!“, warf sie ihm wütend ins Gesicht.
„Und wenn? Was würde das für einen Unterschied machen? Zumindest hätte ich dann meine Ruhe vor dir.“ Tae’Lons Worte und sein Blick waren kalt, ohne jegliche Emotion.
„Ich hätte tot sein können... und das würde dir nichts ausmachen?“, flüsterte sie leise.
„Nein. Sollte es das etwa? Du bist nur ein Mensch, hässlich, verweichlicht und nutzlos. Ich habe es dir schon einmal gesagt, du hast keinen Wert für mich. Und jetzt hör auf zu jammern, wir haben noch etwas zu tun. Ich habe eine besondere Aufgabe für dich.“ Der Dunkelelf drehte sich um und ging in Richtung des Lagers.

Lyandra humpelte hinter ihm her. Ihre Wunde war nicht tief, und auch nicht sonderlich gefährlich, doch sie brannte wie das Höllenfeuer. Noch bevor sie das Lager erreichte, hörte sie bereits das Goblinbaby schreien. Sie umrundete ein Zelt, und vor ihr lag ein grausamer Anblick:
Sowohl die Goblinfrau, als auch die drei Kinder lagen mit durchschnittener Kehle neben dem Herdfeuer, auf dem immer noch der Eintopf brodelte. Tae’Lon erwartete sie bereits. In seinen Händen hielt er das kreischende Goblinbaby. Misstrauisch hinkte Lyandra zu ihm, und warf einen Blick auf das Bündel. Das Baby sah aus wie jeder andere Vertreter seiner Art. Hässlich. Nur kleiner als ein normaler, ausgewachsener Goblin.
„Und was ist jetzt diese Aufgabe, die du gemeint hast?“, fragte sie den Dunkelelfen.
Tae’Lon packte das Baby am Hals, worauf es noch mehr schrie und zappelte. Er hielt es mit dem Gesicht zu dem Mädchen.
„Mach ein Ende mit dem Geschrei.“
Lyandra starrte ihn entsetzt an. „Das meinst du doch nicht? Es ist doch nur ein Baby... das kannst du nicht von mir verlangen.“
„Sein Geschrei stört mich. Nimm den Dolch, und stelle es ab. Außerdem...“ Seine Stimme wurde zu einem leisen Raunen. „Außerdem, was willst du sonst damit machen? Es mitnehmen? Du würdest keinen halben Tag weit kommen, dann hätte sein Geschrei alles im Umkreis von zehn Meilen angelockt. Und glaubst du, du kannst es füttern, wenn es Hunger hat? In deinen Brüsten ist keine Milch.“ Er bedachte sie mit einem abschätzigen Blick, und sie senkte den Kopf. „Wir können es hier lassen, und gehen. Spätestens heute Nacht werden die Wölfe kommen. Es hat einen leichteren Tod, wenn du ihm den Dolch in die Brust stösst.“
Lyandra wog die Klinge schwer in der Hand. Doch sie nahm all ihren Mut zusammen, und mit einem Schrei warf sie sich das Baby, bereit, ihm den Dolch in den Körper zu treiben. Doch dann durchzuckten sie die Erinnerungen an ihren Vater und ihre Mutter. Schluchzend liess sie sich zu Boden fallen, und die Klinge fiel zu Boden. Tränenüberströmt sah sie zu Tae’Lon auf. „Ich... ich kann das nicht tun...“, wisperte sie.
Der Dunkelelf warf ihr einen verächtlichen Blick zu. Sie sah, wie sich die Muskeln in seinem Arm spannten, und dann hörte sie ein trockenes Knacken, als er mit einer einzigen Handbewegung dem Baby das Genick brach. Achtlos liess er den kleinen toten Körper fallen.
„Verweichlicht und nutzlos, wie ich gesagt habe. Wenn du noch immer hungrig bist, kannst du davon essen. Die, für die es bestimmt war, werden nichts dagegen haben.“, sagte Tae’Lon und deutete auf den Kessel. Dann schritt er zur Leiche des Schamanen, und zog das Wurfmesser aus dessen Schädel. Das Geräusch verursachte Übelkeit in Lyandra.

Doch der Hunger, der jetzt schon seit mehreren Tage in ihren Eingeweiden tobte, war zu stark. Sie entwand der toten Goblinfrau den großen Holzlöffel, suchte eine geeignete Schüssel und schöpfte sich von dem sonderbaren Eintopf. Lyandra verliess das Lager, um zu essen, denn dort hätte sie keinen Bissen herunter bekommen. Während sie die braune Masse herunterschlang, versuchte sie, zu verdrängen, was sie eben miterlebt hatte. Noch immer war sie entsetzt von der Gleichgültigkeit, mit der Tae’Lon dem Baby das Genick gebrochen hatte.
Kurze Zeit später hatte sie ihr Mahl beendet. Der Eintopf schmeckte seltsam, was wohl an den Zutaten lag. Lyandra war froh, nicht zu wissen, woraus diese genau bestanden. Nicht mehr hungrig, aber auch nicht wirklich satt, kehrte sie zum Lager zurück.

Tae’Lon hatte seine Waffen gereinigt, und sich im Lager nach Nützlichem umgesehen. Er erwartete eigentlich nicht, etwas zu finden, doch in dem Zelt des Schamanen entdeckte er einige Kräuter und Wurzeln, die ihn interessierten. Nachdem er sich sicher war, was er dort gefunden hatte, machte er sich an die Arbeit. Kurze Zeit später hatte er ein Pulver zusammengemischt, mit dem er etwas vorhatte.
„Wo bist du?“, hörte er das Mädchen draußen rufen. Lächelnd trat er aus dem Zelt.
„Ich habe etwas gefunden. Hier, wirf diese Kräuter in heisses Wasser, und dann trink es. Es wird dir gegen die Schmerzen helfen.“ Er reichte Lyandra das Pulver, das er in einen Lederfetzen eingeschlagen hatte.
Das Mädchen sah ihn mit dankbarem Blick an. Sie machte sich daran, in einem kleineren Kessel Wasser zu erhitzen, und gab das Pulver dazu. Einige Minuten später gab ihr Tae’Lon zu verstehen, dass sie nun trinken solle. Nachdem der Trank abgekühlt war, nahm sie einen kleinen Schluck. Das Gebräu war widerlich bitter, und sie spuckte es in hohem Bogen wieder aus.
„Trink, und deine Schmerzen werden weniger. Trink es nicht, und leide weiter.“, sagte der Dunkelelf gleichgültig.
Lyandra überwand ihren Ekel, und stürzte den Trank herunter. Er schmeckte abscheulich, und sie musste sich beherrschen, nicht wieder alles von sich zu geben. Sie sah ihren Begleiter wieder an. „Und jetzt?“, fragte sie ihn.
„Jetzt gehen wir weiter. Ich habe nicht vor noch mehr Zeit zu verlieren.“
Lyandra erhob sich, und der Trank schien zu wirken. Die Schmerzen in ihrem Körper und das Brennen in ihrer Beinwunde waren bereits weniger geworden. Schnell nahm sie sich noch eine Schüssel von dem Eintopf, und ging hinter dem Dunkelelfen her. Dabei fragte sie sich, warum er so sonderbar gelächelt hatte, als sie sein Gebräu getrunken hatte...

Es war Nacht geworden. Dunkle Wolken waren schon am Abend aufgezogen, und ein kalter Wind wehte. Ferner Donner grollte, und kündigte das nahende Gewitter an.
Tae’Lon und Lyandra hatten den Wald verlassen. Seit dem Mittag, als sie das Goblinlager entdeckten, hatten sie kein Wort miteinander gesprochen. Unterwegs hatten sie an einem Bach halt gemacht, wo sie sich wuschen und ihre Kleidung reinigten. Während der Dunkelelf keinerlei Scheu hatte, sich vor ihr auszuziehen, hatte das Mädchen sich etwas oberhalb des Bachlaufes entkleidet. Es war ihr unangenehm, sich dem Elfen nackt zu zeigen. Sie hatte das Blut von sich geschrubbt, und aus ihrem Kleid, welches sie auch ausgewaschen hatte, einen notdürftigen Verband für ihr Bein gemacht. Zwar brannte die Wunde nicht mehr, und auch ihre übrigen Schmerzen waren mittlerweile verschwunden, doch sie hatte das Gefühl, als würde sie durch einen Traum wandeln. Der Trank hatte wohl doch Nebenwirkungen.

Sie gingen am Rande einer Strasse, so dass sie diese zwar sehen konnten, aber selbst nur recht schwer entdeckt werden würden.
Schweigend ging Tae’Lon voran, und wie immer verursachte er dabei kaum einen Laut. Lyandra folgte ihm so gut es ging, doch der Dunkelelf legte ein straffes Tempo vor, und sie fühlte sich seit einiger Zeit zunehmend merkwürdig.

Sie marschierten oberhalb eines Abhangs, unter dem die Strasse verlief. Mit einem Mal blieb Tae’Lon stehen, und Lyandra prallte gegen ihn.
„Was is los?“, fragte sie mit schwerer Zunge. Ihr Kopf drehte sich, ähnlich wie bei dem Herbstfest vor zwei Jahren, als sie zum ersten Mal Alkohol getrunken hatte.
„Jemand kommt.“ Tae’lon sah sie an. „Menschen. Geh zu ihnen, damit ich dich endlich los bin.“
Lyandra schwankte. Ihr Kopf drehte sich immer schneller, und sie begann, bunte Farben zu sehen. Sie versuchte, das, was sie eben gehört hatte zu verarbeiten, doch es gelang ihr nicht.

Tae’Lon sah, wie sie sich fühlte. Er nahm sie bei der Hand und zog sie zum Abhang. Dieser war weder besonders steil, noch hoch. Tae’Lon zog das Mädchen zu sich herunter.
„Hör mir zu. Du wirst zu diesen Menschen gehen. Wir werden uns nie wieder sehen, und du wirst mich vergessen. Sollten wir uns noch einmal begegnen, werde ich dich töten.“, raunte er ihr zu. Seine Worte klangen seltsam verzerrt in ihrem Ohr, aber sie nickte schwach.
Tae’Lon blickte zur Strasse. Er konnte einen Ochsenkarren erkennen, der langsam näher rumpelte. Als der Wagen direkt unter ihnen war, gab er dem Mädchen einen Stoss, und sie fiel, sich überschlagend, den Abhang hinab. Er trat zurück, und verschmolz völlig mit der Dunkelheit.

Lyandra fiel. Sie purzelte Hals über Kopf den Abhang hinab, und blieb benommen am Strassenrand liegen. Sie versuchte aufzustehen, doch ihre Beine gehorchten ihr nicht.
Mit einem Mal hörte sie hinter sich etwas. Ein merkwürdiges, unheimliches Heulen und Jaulen, das sich schnell näherte. Mühsam drehte sie sich um, und was sie sah, liess ihr das Blut in den Adern gefrieren:
Ein abscheuliches Wesen kam auf sie zu. Es hatte zwei Arme, die ständig ihre Länge veränderten, als es mit ihnen durch die Luft schlug. Seine rechte Hand brannte, und die Flammen hinterliessen feurige Spuren in der Luft. Der Rest seines Körpers waberte wie Nebel, und es veränderte ständig seine Gestalt.
Mit einem erstickten Schrei griff sie nach dem Dolch, der noch immer in ihrem Gürtel steckte. Als das Wesen sich zu ihr herunter beugte, stiess sie zu. Die Klinge drang in den Körper der Kreatur, die mit einem Aufschrei zurückfuhr.
Sie sprang auf die Beine. Das Wesen stand immer noch vor ihr, und es gab immer noch Schmerzenslaute von sich. Ohne nachzudenken bohrte sie den Dolch an die Stelle, an der sich der Kopf der Kreatur befinden sollte. Ein weiteres Heulen entfuhr dem Ding, dann brach es zusammen.
Lyandra kämpfte, dass sie auf den Beinen blieb. Sie warf einen Blick auf die amorphe Gestalt, die, anscheinend tot, vor ihr lag, als sie ein neuerliches Heulen hörte. Der Ursprung des Heulens war ein weiteres Wesen, ähnlich dem, das sie gerade niedergestreckt hatte. Es rannte auf sie zu.
Wie von Sinnen warf sie sich auf die kleinere Kreatur, und schlug mit dem Dolch zu. Das Wesen stiess wehleidige Schreie aus, doch Lyandra stach immer wieder und wieder darauf ein. Erst als sie sicher war, das die Kreatur tot war, liess sie davon ab. Als sie sich wieder aufrichtete, gaben ihre Beine entgültig nach. Sie spürte die ersten Regentropfen auf ihrem Gesicht, als sie ohnmächtig zusammenbrach....

Sie fühlte sich schwach und ausgelaugt, als sie wieder zu sich kam. Das Gewitter war in vollem Gange, und sie hörte Donner grollen. Kalter Regen fiel ihr ins Gesicht, und ein schneidender Wind wehte.
Den Versuch, aufzustehen gab sie schnell auf, denn weder ihre Beine noch ihre Arme taten das, was ihr Verstand ihnen befahl. Mühsam wälzte sie sich zur Seite. Sie erkannte neben sich die Stiefel Tae’Lons. Langsam richtete sie ihren Blick auf ihn, und sah, dass er an ihrer Seite hockte.
„Gut gemacht.“, sagte der Dunkelelf amüsiert.
„Was....was meinst du?“, entgegnete sie schwach.
„Schau... schau welch wunderschönes Werk du gezaubert hast...“ Er nahm ihren Kopf in die Hände und drehte ihn in die Richtung, in der die beiden Höllenwesen gestorben waren. Ein Blitz erhellte die Nacht.
In dem kalten Licht sah sie keine Wesen aus den Abgründen der Hölle. Was sie sah, drehte ihr den Magen um:
Ein Mann, seiner Kleidung nach ein einfacher Bauer, der in einer Blutlache lag, die vom Regen langsam weggespült wurde. Seine wollene Jacke war blutverschmiert, und er hatte ein tiefes Loch in seinem Schädel. Genau dort, wo Lyandras ihren Dolch hineingerammt hatte.
Doch viel schlimmer war der Anblick des zweiten Wesens. Es war ein Junge, vielleicht acht Sommer alt. Seine Kleidung war völlig zerfetzt, und sein Brustkorb war freigelegt. Das Mädchen konnte einzelne Rippen durch das zerrissene Fleisch schimmern sehen. Seine Eingeweide lagen zerstückelt unter ihm.
Lyandra wimmerte. Sie versuchte, sich abzuwenden, doch Tae’Lons Hände hielten ihren Blick auf die beiden verstümmelten Leichen gerichtet. Ein klagender Laut entsprang ihrer Kehle, als ihr klar wurde, dass sie dieses Gemetzel angerichtet hatte. Sie hörte Tae’Lons Stimme, als er ihr ins Ohr flüsterte:
„Das hast du getan. Und ich muss sagen, es ist dir gelungen. Ich gebe zu, ich war daran nicht ganz unbeteiligt. Der Trank, den ich dir gegeben habe... er hat dir nicht nur deine Schmerzen genommen, sondern auch deinen Geist verwirrt. Die Wirkung war beinahe zu Ende, als wir diesen... Menschen begegneten. Ich hatte schon befürchtet, dass ich keinen Spaß mehr haben würde, doch anscheinend war das Glück mir hold. Oh, und noch etwas: für die nächsten Tage wirst du schwach sein. Noch schwächer als sonst. Morgen wirst du Krämpfe bekommen, und die ganzen Schmerzen, die der Trank die genommen hat, werden mit einem Mal wiederkehren. Nur, sie werden viel stärker sein als vorher. Du wirst davon nicht sterben, keine Angst. Mein Volk kennt sich gut aus mit Giften, musst du wissen. Du wirst zu deinen Göttern beten, dass sie dich töten. Ich weis das. Es ging mir genau so.“
Er gab sie frei, und sie kroch langsam auf die Leiche des Jungen zu. Sie erreichte ihn gerade, als sie erneut die Stimme des Dunkelelfen vernahm.
„Du hast mich gefragt, warum ich dich am Leben gelassen habe. Ich habe dir geantwortet, dass ich glaubte, Potential in dir zu sehen. Willst du wissen, welches Potential? Ich werde es dir sagen: das Potential, großes Leid zu vollbringen. Du hast mich an mich selbst erinnert, wie ich vor vielen Zyklen war, schwach, verabscheuenswert, aber voller Trotz. Und sag selbst, bin ich nicht gut geworden, anderen Leid zuzufügen?“

Tae’Lon trat neben sie, gerade als sie den Körper des Jungen erreichte. Sie legte ihre Hand auf dessen Gesicht, als wollte sie ihn trösten. Seine Haut fühlte sich an wie kaltes Wachs.
„Ich habe dir meinen Namen noch gar nicht verraten.“, sagte der Dunkelelf. „Er lautet Corr Tae’Lon. Du wirst dich den Rest deines erbärmlichen Lebens daran erinnern. In jeder Nacht, wenn der Sturm kommt und der Donner grollt, wirst du die Augen schliessen und dein Werk sehen. Ach ja... behalte den Dolch. Vielleicht brauchst du ihn irgendwann. Und ich bedanke mich bei dir. Du warst ein amüsanter Zeitvertreib.“ Mit diesen Worten drehte sich der Dunkelelf um und verschwand in der Dunkelheit.

Mit einem gequälten Stöhnen stemmte Lyandra sich auf den Ellenbogen. Mit letzter Kraft rief sie:
„Ich hasse dich! Ich verfluche dich! Eines Tages werden wir uns wiedersehen, und dann werde ich dich umbringen!“
Sie glaubte, Tae’Lons Lachen durch das Grollen des Donners zu hören, bevor sie zusammenbrach und es Nacht um sie wurde....


ENDE TEIL 1

Morthad
31.01.2005, 00:38
So hast du also eine schöne Story draus gemacht...

Ok, erstmal kann ich sagen wirklich gelungen. Wortwahl und Satzbau sind gut.
Tiefe und Details kommen sicher noch. Die Story liest sich fließend und baut auch eine gute Athmosphäre auf.

Aber...

Der Morgen dämmerte langsam, als der Kämpfer den Waldrand erreichte. Er war froh darüber, denn er konnte das Licht des Tages nicht leiden.

Abgehackt, etwas ausschweifender währe schöner.

Versonnen betrachtete er sein "Handwerkszeug". Die Klinge war anderthalbmal so lang wie sein Unterarm. Sie ähnelte einem Schwert der Menschen, doch war sie offensichtlich nicht zum Fechten gedacht. Das erkannte man daran, dass die Klinge vor Widerhaken und Reißzähnen starrte. Nein, es war keine Klinge für den ehrenhaften Kampf. Sie war dazu gedacht, den Gegner möglichst schnell zu zerfetzen und zu töten, und wenn dies nicht gelingen sollte, ihm grausame Wunden beizubringen.

sehr gelungen, wirklich gut...

Der Kämpfer holte einen Wetzstein hervor, und machte sich daran, eine kleine Scharte auszuglätten. Er spuckte auf den Wetzstein und fuhr dann mit dem Finger über die Klinge. Er vermischte zwei Tropfen seines Blutes mit seinem Speichel und begann dann, mit geradezu rituellen Bewegungen die Klinge zu glätten.

Autsch... im vorherigen Teil beschreibst du das die Waffe mit Reißzähnen und Wiederhacken gearbeitet ist, eine solche Klinge lässt sich mit einem Wetzstein nicht glätten.

Der Rest ist ok, wie schon gesagt, mal etwas Abschweifen und einige Eindrücke der Umgebung einbauen dann ist das top.

Also Los weiter :jo:

gruss Morthad

PS: :gap:

Spiritwalker
31.01.2005, 00:40
werd ich tun, thx ;)

EDIT: was mir noch eingefallen is: ich geb zu, die beschreibung der Klinge is nich wirklich gelungen, zumindest nicht soweits mich betrifft. ich hatte da nen bild vorm geistigen auge, und das hat halt gut gepasst. muss ma guggn, ob ich irgendwo nen bildchen find, was dem ding nahe kommt ;)

EDIT2: so in etwa: http://www.weaponmasters.com/?ID=WEAPONS&FDX=&FMAX=&SORT=PRICE_UP&ITEM=YD-5&LOCATION=PHOTOS

nur die aussenseite ( im bild oben ) gezahnt

BigT
31.01.2005, 02:07
Zuerst: das läßt sich wirklich lesen, hätte ich dir nicht zugetraut *gg*
Was mir persönlich noch nicht so gefällt, ist das es noch ein wenig abgehackt wirkt an manchen stellen und es ein wenig (nur wenig) wie eine Aufzählung von Fakten klingt und nicht wie eine Beschreibung.
Das kann man erreichen indem man mal aus drei Sätzen zwei macht, oder in der Sprache ein wenig mehr bildlich wird. ( Natürlich keine Bandwurmsätze...und auch keine zwei Seiten beschreiben wie der Bach oder was auch immer aussieht ).
Wenn man etwas für andere schreibt muss man darauf achten das die, die es lesen die Bilder im Kopf haben, nicht nur man selbst.

Und nein, ich bin auch kein Profiautor und kein Klugscheißer ( auch wenn es sich so anhört *g*). Ich selbst schreib meist nur "Gedichte" und Kurzstorys die ich recht wenigen Leuten auch zeige.
Spirit weiß schon was ich meine ;)

Spiritwalker
31.01.2005, 12:20
ja ich weis, was du meinst, nur lesen durft ich bislang nix davon... haste mir bisher immer verweigert, warum auch immer ;)

werd ma sehn, ob ich nachher nochn bischen weitertexte

Spiritwalker
31.01.2005, 14:14
ok, abschnitt 3 is da. alles weiter im eröffnungspost ;)

Spiritwalker
31.01.2005, 20:15
abschnitt 4 eingefügt.

mal ne frage an die, dies lesen: is das ok so, wenn ich die neuen sachen reineditier, oder soll ich das besser einzeln posten? ich würd meinen, das mit dem reineditieren is besser, so von wegen lesefluss und so, aber ich bin da offen für vorschläge.

Morthad
31.01.2005, 21:49
@Spiritwalker: Reineditieren ist genau richtig.

gruss Morthad

PS: hab noch nicht gelesen... mach ich aber noch ;-)

Morthad
31.01.2005, 22:57
So, habs jetzt Gelesen... Nun was soll ich dazu sagen, echt top :jo:
Bin schon Gespannt wie es weitergeht.

gruss Morthad

Hajopai
01.02.2005, 13:17
Sehr schöne Story. Aber wie schon von anderen gesagt, wäre es von Vorteil, wenn du an manchen Stellen mehr beschreiben würdest.
Ich bin jedenfalls schon auf den weiteren Werdegang gespannt.

Spiritwalker
01.02.2005, 13:42
das mit dem beschreiben stimmt wirklich, is mir auch aufgefallen. Ich werd mich nachher mal dransetzen und weitermachen. hab da schon wieder mal n paar ideen, und hab eben grad zwei bis dreimal zhurag'nar leergeräumt, um inspiration zu holen ;)

thx Morthad & Hejopai für das Lob :-D

P.S.: ich wiederhol nochma: jeder der das liest sei angehalten, mal n paar sätze loszuwerden ;)

sei es "gefällt mir, weil..." oder "gefällt mir nicht, weil..." ich werd nur draus lernen können ;)

Spiritwalker
01.02.2005, 16:18
so, abschnitt 5 is da. ich hoffe, ich habs hinbekommen, die atmo so rüberzubringen, wie ich mir das vorgestellt hab.

jetz weis ich momentan nicht: mach ich hier nen cut, und deklarier das bis jetzt als Kapitel 1, und mach innem neuen thread weiter, oder mach ich hier weiter? (die überlegung kommt aus purer faulheit, ich scroll mit nämlich nen wolf, wenn ich das hie reditieren will ;) ... wird aber auch jedesmal mehr *seufz*)

sagt ma was zu

Hajopai
01.02.2005, 16:43
Ein sehr schönes Kapitel. Hier und da sind zwar Rechtschreibfehler und kleinere grammatikalische Mängel zu finden, doch stören diese den Lesefluss in keiner Weise.
Die Atmosphäre kommt schon gut rüber, mit der Zeit und etwas Übung wird das vermutlich aber noch etwas steigerungsfähig sein.
Noch was zum Aufbau: Das ist zwar nur persönlicher Geschmack, aber mir gefällt es rein optisch nicht, wenn zu oft eine Zeile frei gelassen wird. Absätze und Sinnabschnitte sind zwar wichtig, aber mir gefällt es besser, wenn es nicht ganz so viele sind.
Jedenfalls freu ich mich schon auf den nächsten Teil.

mfg Hajopai ;-)

Spiritwalker
01.02.2005, 16:56
rechtschreibfehler und grammatikalische mängel... *sigh* naja, ich war noch nie die leuchte, was das angeht, und die autokorrektur von word scheint auch nich grad besser zu sein ;) ich werd zusehn, dass ich das noch änder.

das mit den absätzen werd ich berücksichtigen, mir gefallen die auch nich. ich wär eher für einrücken, aber da ichs hier irgendwie nich gebacken bekomm, dass das forum das so nimmt wie ich das will, hab ich mich zu der methode entschieden. vllt is ma wer so freundlich und kann dem wissensmangel abhilfe schaffen :)

Hajopai
01.02.2005, 17:00
Word kennt meine Grammatik auch nicht...
Und zu deiner Frage: Ich würde nur einen neuen Thread aufmachen, wenn das Thema der Geschichte sich gänzlich ändert.

Spiritwalker
02.02.2005, 14:42
so...werd mich gleich ma an abschnitt 6 setzen...

btw, irgendwie hab ich absolut keine idee, wie ich die story auf deutsch betitulieren (wassn wort) soll... irgendwelche vorschläge?

Hajopai
02.02.2005, 14:46
Schreib mir mal per PM, wie die Story ungefähr weitergehen soll, dann werde ich mal schauen, was ich für dich tun kann.

Spiritwalker
02.02.2005, 15:14
hat sich erledigt, mir is da grad was eingefallen ;) , ich werd nachher reineditieren.

trotzdem thx fürs angebot :)

Spiritwalker
02.02.2005, 18:01
ok, den 6. abschnitt vollendet. wär ja eigentlich früher gekommen, aber da hier alles down war...

nunja, wie dem auch sei: ich hab mir Hajopais rat von wegen den leerstellen ma zu herzen genommen, und andere absätze gemacht. ich hoff ma, das stört den lesefluss nich.

weiterhin hab ich jetz endlich nen vernünftigen Titel für die story gefunden :idee: :D und wie man dem entnehmen kann, werd ich euch wohl noch ein bischen mit meinen ideen beglücken ;)

so, mal sehn wann ich weitermach. kommentare und kritik sind selbstverfreilicht immer willkommen. also nur her damit *g*

Dar-kAs
02.02.2005, 18:51
für den ersten versuch wirklich gut. wegen grammatik und wortwahl will ich jetzt nicht meckern, das sind unwichtige details, dafür gibts lektoren...aber zwei dinge zur story...ich seh nicht, wieso dein dunkelelf aufgrund seines traumes das mädel verschont...du sagst, da wäre etwas in ihrem blick, nimmst aber im traum keinen bezug darauf. was sieht er in dem blick? mag sein, dass du das im geiste vor dir siehst, aber der leser sieht das auch nicht. wie einer meiner mitkommentatoren bereits bemerkte: du musst da ausschweifender beschreiben. wenn du etwas im geiste siehst, beschreibe es, wie du ein gemälde beschreiben würdest. (die langen beschreibungen bei hdr haben mich auch angekotzt, aber ein wenig muss schon sein) - sind aber ein paar sehr schöne sprachliche bilder drin...herzschläge, die blut an die wände verspritzen, so was in der art - gefällt mir

zweite sache...das alles sieht so was von eindeutig nach lovestory aus...richtig platt um es mal einfach auszudrücken. da hat man am anfang diesen d11 (den du übrigens auf den ersten seiten immer 'der krieger' nennst), der offensichtlich alles plättet, was ihm in den weg kommt und dann...ein blick und seine verborgensten gedanken kommen zum vorschein und beeinflussen ihn? *hüstel*

Dar-kAs

Spiritwalker
02.02.2005, 19:00
tjaja, ich und meine beschreibung... ich arbeit dran ;)

die sache mit der erinnerung werd ich noch klären, nur keine ungeduld ;)

und ich und ne lovestory? neneneneeeeee, du... sowat gibbet bei mir nich. frag BigT, der kennt mich lang genug *g*

aber ich will ja nich zuviel vorwegnehmen, einfach überraschen lassen ;)

und thx fürs kommentar :)

Hajopai
02.02.2005, 22:13
Naja, ich finde schon, dass man erkennen kann, warum er das Mädchen verschont.
Sie erinnert ihn an sich selbst, wie sie da am Boden kauert, ängstlich, dennoch hoffnungsvoll und auch etwas trotzig. So ging es ihm einst selbst, als er noch im "Sklavenraum" der Dunkelelfen leben musste. Der Wächter, gleichermaßen verhasst wie gefürchtet, nimmt die Rolle der Banditen ein. Und er selbst wird durch die Dunkelelfin vertreten: Hoffnungsbringer oder aber Verderben.
Natürlich ist die Situation nicht komplett gleich, auch kann man nicht erwarten, dass ein Dunkelelf, der ja eine andere Psyche hat und unter anderen Umständen aufwächst, seine Gefühle genauso deutlich zeigt wie ein Mensch, aber für mich persönlich sind die Gemeinsamkeiten, aber auch die Unterschiede, gut ersichtlich.
.
.
.
.
oder aber ich hab mich total vertan und es war ganz anders gemeint. In diesem Falle bitte ich um Benachrichtigung, damit ich mir einen Arschtritt verpassen kann ;-)

Spiritwalker
02.02.2005, 22:21
wie gesagt, warts ab ;)

den rest der story hab ich schon so halbwegs im sinn, und ich werd zusehn, dass ich sie ma zurechtmach. wenn nich diese blöden klausuren wären... :homer:

und ja, ich werd mich um bessere beschreibungen bemühen :p

Hajopai
02.02.2005, 22:27
Ich gedulde mich schon, der Post war auf Dar-kAs bezogen. Ich wollte nur ausdrücken, dass bereits jetzt von mir ein Bezug zwischen der Erinnerung und dem Grund, wegen dem Tae'Lon die Kleine verschonte, gesehen wird, auch wenn er meint, es gäbe keinen und du es noch offensichtlicher klären wirst.
Wie gesagt, weiß ich nicht, ob ich alles so sehe, wie es deinerseits gemeint war, aber ich komm mal wieder ins schwafeln und muss mir selber auf die Finger haun, damit ich damit aufhören kann :D

Asul
02.02.2005, 23:09
Spiritwalker und Liebe, der weiss ja noch nicht mal was das ist. :lmao: :lmao:


Aber ansonsten eine gute Story mach weiter so kleiner ;-)

Dar-kAs
03.02.2005, 08:41
[QUOTE=Hajopai]
Sie erinnert ihn an sich selbst, wie sie da am Boden kauert, ängstlich, dennoch hoffnungsvoll und auch etwas trotzig.

Weiß ja nicht, wo der ängstlich war*g* aber das mit dem trotz passt schon, jetzt musst du das nur noch in den Blick von dem Mädel reinschreiben und ich bin zufrieden...naja, die sollte dem vielleicht nicht so wie ein hündchen hinterhertrappeln und betteln, dass er sie mitschleift, das klingt für mich unglaubwürdig. der hilft ihr ja nicht aus reiner nächstenlieber, sondern weil er seine ruhe will


*ich seh schon, was du meinst, nur die connection ruckelt*

Hajopai
03.02.2005, 12:35
Naja, ich habe mir einfach gedacht, dass er doch etwas Angst hatte. nur ist er eben ein Dunkelelf und die zeigen normalerweise ihre Gefühle kaum bis gar nicht, außer negativen, wie Hass, Verachtung usw.
Ist ja eigentlich auch nicht so wichtig, hauptsache die Story ist gut ;-)

Spiritwalker
03.02.2005, 20:04
weia... ihr glaub ja nich, wie mir die knochen und die finger wehtun... :)

abschnitt 7 is fertig, und damit auch Teil 1 der Tae'Lon Chroniken. hat ja nur knapp 8 stunden gedauert, das ding zu tippern ;)

ich werd mir jetzt erstmal n bierchen genehmigen und mich dann auf wochenende vorbereiten. :D

kommentare und so sind natürlich immer willkommen, und wenn die einigermaßen positiv ausfallen, werd ich bei nächster gelegenheit den zweiten teil in angriff nehmen. ich hab zwar schon in etwa im kopf, worums gehn soll, aber die details fehlen mir noch.

ich hoffe mal, dass das ende Hejopai und Dar-kAs zusagt :p hab ja gesagt, das wird keine Lovestory werden :D

thx an alle, die bis jetz ihre meinung kundgetan haben, ich hoffe, ich hab von den ganzen hinweisen und zeug was umsetzen können.

short preview for the things to come:
Suspense! Intrigue! Danger! 1000 Elefanten! :D

achso: aufmerksame leser werden irgendwo im 7. abschnitt eine 1 sehn. die is da mit absicht und zwar aus folgendem grund:

1.: es tut mir leid, ich hab mich echt bemüht.... aber ich konnts mir nich verkneifen :lmao:

Hajopai
03.02.2005, 21:01
Hehe, "Schniepel", ich find den Scherz, denn als solchen fasse ich es auf, gelungen. Überhaupt ist es ein sehr schönes Kapitel. Das mit dem ausschweifender erzählen kennst du ja bereits, es ist schon besser, aber noch steigerungsfähig. Das kommt aber mit der Zeit.
Das Ende gefällt mir. Jedenfalls finde ich, dass ein weiterer Teil von Nöten ist. Nicht, dass ich dich hetzen will, aber ich freu mich drauf.

Grombaldt
03.02.2005, 22:52
Also, bin jetzt gerade zum ersten Mal dazu gekommen, deine Geschichte zu lesen. Ich kann eigentlich im Moment nur sagen: Klasse! :jo:
Hab's in einem durchgelesen und bin schon gespannt, wie's weitergeht. Zum Erzählstil gibt's, denke ich, jetzt nicht mehr so viel zu sagen, scheint sich ja im Verlauf der Geschichte immer mehr verbessert zu haben. Liest sich aber wirklich gut, und mit Rechtschreib- und Grammatikfehlern ist's auch nicht so schlimm, hält sich in Grenzen. Und dein Ausdruck ist auch gut. Am Anfang gab's vielleicht noch ein paar arg viele Wiederholungen (v.a. "Kämpfer"), aber das passiert, kenn' ich auch. Aber das hat sich mit der Zeit ja auch gelegt.
Trotzdem muss ich sagen, dein Dunkelelf erinnert mich irgendwie an einen Dunklen Jedi aus Star Wars: "Dein Zorn, dein Hass wird dich stark machen." ;-)
Also, weiter so, hoffentlich geht's bald weiter.

Morthad
03.02.2005, 23:10
Hi Spiritwalker: Ich muss sagen ich bin echt Beeindruckt. Sauber was du daraus gemacht hast. :jo: Dein Dunkelelf zeigt die deutliche härte seines Volkes und die typische Abneigung gegen Schwäche und schwache Wesen.

Immer weiter so.

gruss Morthad

Spiritwalker
04.02.2005, 10:09
danke leute für den zuspruch, und versprochen: ich werd mich nächste woche an die fortsetzung hocken (nachdem bwl-klausur rum is :homer: )

die ideen für die fortsetzung mauscheln sich auch langsam zusammen, also kanns losgehen, spätestens am dienstag ;)

achso, für die dies das evtl intressiert: es hat ungefähr 25 stunden oder so dedauert, und wären auffm papier ausgedruckt 23,5 Seiten. und ich frag mich, warum mir die schultern un die finger wehtun.... :D

so, und jetzt werd ich anfangen mein zeug zu packen, und ab ins wohlverdiente wochende :D :D

Dar-kAs
04.02.2005, 10:46
fein fein, gefällt mir sehr und das mit den beschreibungen wird auch immer besser. gerade begann ich mich zu fragen, wieso das mädel überhaupt bei ihm bleibt. aber jetzt hat sie wenigstens ein lebensziel :jo:

Morthad
04.02.2005, 13:48
achso, für die dies das evtl intressiert: es hat ungefähr 25 stunden oder so dedauert, und wären auffm papier ausgedruckt 23,5 Seiten. und ich frag mich, warum mir die schultern un die finger wehtun.... :D

23,5 Seiten... Hmm las mal überlegen, das ist in etwa die Hälfte von meiner Aktuellen und ein drittel der "In Work" Story ;-)

gruss Morthad

Spiritwalker
06.02.2005, 17:10
oller angeber :p ;-)

eigentlich hatt ich ja vorgehabt, das ding auf 10 seiten oder so zu beschränken, aber wenn man einmal angefangen hat... :D

wie dem auch sei: die storyline für teil 2 steht, es fehlen zwar noch einige kleinere details, aber die werden sich schon finden. ich werd mich in nächster zeit (evtl schon nachher) dransetzen und das zu papier...erm...byte bringen.

Morthad
06.02.2005, 21:27
@ Spiritwalker: Wer wird den gleich... Komm ein wenig spass muss sein :ale:

Ich schreib schon ne weile, da sammelt sich eben was an. Ich halte meine Kapitel so auf etwa 10-15 Parts, bei etwa 4-5 Seiten pro Part.

gruss Morthad

Spiritwalker
06.02.2005, 21:33
ich sag ja auch gar nix *g*

das hat bei mir wohl nur solang gedauert, weil ich mir was überleg, dann schreib ichs, leses mir nochma durch und schreibs mindestens dreimal neu.

is halt alles ne übungssache, und ich denk ma, das wird sich noch bessern ;)

Morthad
06.02.2005, 21:43
Siehst du ich Überlege und schreibe gleichzeitig. Manchmal Arbeite ich aber auch schon Parts im Kopf aus und Schreibe sie später.

gruss Morthad

Grombaldt
06.02.2005, 21:44
is halt alles ne übungssache, und ich denk ma, das wird sich noch bessern

Ist das wirklich so sehr Übungssache? Bei mir isses immer mehr eine Frage der Muße. Wenn ich in entsprechender Stimmung bin (und Zeit habe), setze ich hin und schreibe schon mal in so zwei/drei Stunden ein bis zwei Kapitel. Und dann gibt's wieder Zeiten, wo einfach gar nix geht. (Bei mir zum Beispiel in der Zeit von etwa Anfang Dezember bis Anfang Januar - da ist mir überhaupt nichts eingefallen. Aber jetzt sprudelt's wieder. :) )

Tatsache ist, ich freu' mich auf die Fortsetzung. Viel Spaß beim Schreiben!

Grombaldt
06.02.2005, 21:46
@Morthad:
Siehst du ich Überlege und schreibe gleichzeitig.
Eben, so ähnlich läuft das bei mir eben auch. Story ungefähr im Kopf und beim Schreiben entwickelt sich's dann richtig, oder?